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Traurig, dass es schon vorbei ist - Schülerinnen und Schüler aus der Ernst-Heinkel-Realschule Grunbach machen Sozialpraktikum in der Paulinenpflege Winnenden
Das war nicht immer so – Mareike erinnert sich an den ersten Tag des Sozialpraktikums: „Als wir am Bahnhof angekommen sind, haben uns die Beine geschlottert. Mir war schon sehr mulmig zumute – so was habe ich bisher ja noch nie gemacht! Ich habe gedacht: Hoffentlich ist das schnell vorbei!“. Doch dieser unangenehme Gefühlszustand hat nicht lange angehalten, kaum in der Wohngruppe angekommen, ging es Mareike schon viel besser: „Ich bin so herzlich begrüßt worden, dass ich mich sofort zu Hause gefühlt habe. Bewohner und Mitarbeiter haben mir meine Ängste innerhalb kürzester Zeit genommen. Die Bewohner haben mich sogar umarmt und einer hat mir sofort ganz stolz auf seinem Keyboard einen Begrüßungssong gespielt“. Inzwischen kennen die Bewohner der Wohngruppe die Schülerinnen und die Schülerinnen die Bewohner – auch der Ablauf des Gruppenalltags ist für Mareike und Kristina fast schon Routine. Vom Verteilen der Kleider, die aus der Wäscherei der Paulinenpflege ins Haus geliefert werden, über das Versorgen der Hasen der Bewohner, das gemeinsame Vorbereiten des Abendessens bis hin zum allabendlichen Memory-Spielen haben die zwei schon alles mitgemacht. Kristina war zusätzlich noch im gruppenübergreifenden „Club Paula“ eingesetzt und hat in dieser etwas anderen Kneipe den Thekendienst mit übernommen und dabei viele Begegnungen erlebt – zuerst war das nicht ganz so einfach für sie: „Am Anfang habe ich nicht so recht verstanden, was die Bewohner von mir wollen, da sie ja als Gehörlose in Gebärdensprache reden. Am zweiten Tag ging’s schon viel besser und inzwischen klappt die Verständigung mit Händen und Füßen ganz gut“.
Für die Bewohner sind Mareike und Kristina fast nicht mehr wegzudenken. Auch Mitarbeiter Christian Prexl findet dieses Praktikum, das der Lehrplan an den Realschulen unter dem Schlagwort TOP SE (Themenorientiertes Projekt Soziales Engagement) vorschreibt, sinnvoll: „Unsere Bewohner blühen richtig auf, wenn die Schüler da sind. Sie haben die Gelegenheit, stolz ihre Hobbys vorzuführen und können ihnen ihre Heimat zeigen. Außerdem werden durch die Praktika Vorurteile abgebaut, die leider gegenüber behinderten Menschen immer noch bestehen“. Natürlich wird in der Paulinenpflege Winnenden auch darauf geachtet, dass es zu keiner Schülerschwemme kommt, denn es könnte recht schnell zu viel des Guten werden. Bereichsgeschäftsführerin Susanne Gebert-Ballmann bekommt fast täglich Anfragen von Schülern von sämtlichen weiterführenden Schulen auf den Tisch: „Inzwischen haben wir jährlich allein hier in den Wohnangeboten Behindertenhilfe weit über 100 Schüler, die bei uns mindestens eine Woche ihr Praktikum machen wollen. Damit sind wir aber auch an der absoluten Obergrenze angelangt – wir müssen aufpassen, dass wir auch weiterhin unserer eigentlichen Aufgabe, der Betreuung unserer Menschen mit Behinderungen, nachkommen. Daher verteilen wir die Schüler auf möglichst viele Gruppen, damit die Gruppenmitarbeiter nicht die Freude an den Praktikanten verlieren und weiterhin motiviert mit ihnen umgehen. Nur so können wir auch die Qualität der Praktikumsplätze erhalten“ Für Mareike und Kristina steht am Ende ihres Praktikums auf alle
Fälle fest, dass ihnen die fünf Tage plus Infoveranstaltung
als Vorbereitung auf das Sozialpraktikum viel gebracht haben. Die beiden
merken gerade nicht nur , dass sie keineswegs mehr einen Bogen um behinderte
Menschen machen, sondern auch sonst sind sie selbständiger geworden:
„Meine Mutter hat festgestellt, dass ich jetzt plötzlich mehr
zu Hause mithelfe und sie im Haushalt unterstütze“, erzählt
Kristina stolz. „Das kommt bei mir sicher auch noch“, meint
Mareike daraufhin verschmitzt. Jetzt in den Pfingstferien können
sie das Erlebte erstmal setzen lassen – allerdings wissen sie schon
heute, dass sie wehmütig an die Zeit in der Paulinenpflege Winnenden
zurückschauen werden. „Wenn ich daran denke, dass heute mein
letzter Tag auf meiner Wohngruppe ist, dann werde ich schon ziemlich traurig
– sicher werde ich ab und zu mal einen Besuch in Winnenden machen“
erzählt Mareike und ist schon wieder auf dem Sprung, um einem Bewohner
aus einem Buch vorzulesen. |
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