News-Archiv

Erstmals Berufsinformationstag im BBW

Am 11.11.2008 wurden Berufe und Schulen vorgestellt

Schüler/innen von Schulen für junge Menschen mit Hörbehinderung und von Sprachheilschulen waren zusammen mit íhren Lehrern/innen und Eltern zum ersten Berufsinformationstag in das BBW Winnenden eingeladen. Alle Ausbildungswerkstätten konnten besichtigt werden, zum Teil bestand sogar die Möglichkeit, Arbeiten auszuprobieren.

Berufsinformationstag 2008Berufsinformationstag 2008

Außerdem waren die Schulen geöffnet und stellten die Bildungsgänge dar, von der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung bis zur Mittleren Reife oder der Fachhochschulreife. Auch die noch junge Abteilung BIBS war vertreten, deren Mitarbeiter/innen mit großem Erfolg Schule oder Ausbildung in Firmen außerhalb des BBW unterstützen. Die ab 2009 neuen Berufe Autofachwerker/in und Altenpfleger/in wurden ebenfalls vorgestellt. Daneben konnten verschiedene Workshops und Vorträge besucht werden, z.B. "Bewerben - aber wie? Erwartungen der Wirtschaft an Auszubildende."


Menschen, Tiere und jede Menge Aktionen auf dem Paulinenhof-Fest

Buntes Programm, tolle Atmosphäre, starkes Angebot, gute Musik und strahlende Herbstsonne lässt Besucher strömen

Liebevoll gedeckte Tische mit Kastanien, Herbstastern und Kürbissen in allen Größen nahmen die Besucher am Sonntag auf dem Paulinenhof in Empfang. Das farbige Bild der Dekoration des ganzen Biolandbetriebes hielt dann auch im Programm, was es zur Begrüßung versprach. Ein buntes Programm mit Attraktionen für Jung und Alt erwartete die Festgäste.

Aus dem Rems-Murr-Kreis, dem gesamten Großraum Stuttgart und dem Norden des Ländles kamen die Gäste auf das etwas andere Hoffest, das alle zwei Jahre auf dem Paulinenhof bei Winnenden-Hertmannsweiler stattfindet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten sich auch wieder eine große Palette mit vielen Aktionen rund um den landwirtschaftlichen Betrieb einfallen lassen.

Der Festtag startete mit einem Gottesdienst im Grünen auf der Wiese. Der Altar aus Strohballen, der Chor in Gebärdensprache, das Dank-Gebet der Bewohner und Beschäftigten des Hofes und die mitwirkenden Esel Bobby und Leika machten schon den Festbeginn zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Schuldekan Hans-Jörg Samrock aus Schorndorf hielt die Predigt und die Posaunenchöre aus Hertmannsweiler und Owen/Teck gestalteten die Kirche im Grünen musikalisch mit.

Paulinenhof-Fest 2008Paulinenhof-Fest 2008

Beim anschließenden bunten Treiben auf und rund um den Paulinenhof verbrachten die Gäste einen kurzweiligen Nachmittag. Dass die Herbstsonne so wunderbar warm dazu schien, lies Manchen lange im Festzelt oder in den lauschigen Ecken des Gärtnereihofes bei den Leckereien aus der Küche verweilen. Biolandwurst und Karottenküchle, Salat und Obstkuchen – es war für jeden Geschmack das Passende dabei. Der Ochs am Spies war schon bald am Nachmittag ein Gerippe, so groß war der Hunger mancher Gäste. Frisch gestärkt konnten die Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Ställe, der Tagesfördergruppen in der Blauen Arche und der Freigehege werfen. Auf den Wiesen hüpften nicht nur die Esel und Hasen vor Freude, sondern auch die Festbesucher – diese überschauten beim EUROBUNGY-Trampolin das Hoffest aus luftiger Höhe. Mit dabei war auch der Oldtimer-Veteranen-Club Brezenacker mit vielen Raritäten für Schlepperliebhaber. Der Flohmarkt der Paulinenhofbewohner brachte manches Schnäppchen ein. Selbstgestrickte Socken liesen schon kalte Füsse im Winter ahnen und manche Käuferin vorbeugend aktiv werden. Körbe, Taschen und Kissen aus den Backnanger Werkstätten gab es in reichhaltiger Auswahl auf dem Hof. Frische Lebensmittel aus dem Sortiment des Hoflädles des Paulinenhofes konnten im neuen Korb dann gut nach Hause transportiert werden.

Paulinenhof-Fest 2008Paulinenhof-Fest 2008

Die Kinder beschäftigen sich auf der Spielstraße: Sackhüfen, Kartoffellaufen, Fische fangen und große Nägel waren einzuschlagen. Eine Strohhüpfburg lud zum Springen ein. Ponys zum Reiten. Die Tiere auf dem Hof konnten aus nächster Nähe beobachtet werden. Wollschwein Emma mit Eber Eberhard liesen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und schliefen ungerührt im Gehege weiter. Außerdem hieß es „Vorhang auf“ beim Kasperletheater. Das Paulinenpflege-Zügle fuhr eine große Runde um den Hof, so dass der Blick über das ganze Festgelände und zu den Gänsen und den Alpakas hinterm Hühnerstall schweifen konnte.

Auf der Bühne im großen Festzelt sorgten die Winnender Stadtjugendkapelle, THE GOSPEL HOUSE und die Paulinenpflege-Band „Laiens-Club“ für musikalische Leckerbissen. Und wem das noch nicht reichte, der konnte beim KUHlen Quiz SAUstarke Preise mit nach Hause nehmen!


Kuchen, Kerker und Kinder auf der Burg Reichenberg

Hunderte von Menschen auf der Burg Reichenberg bei Oppenweiler
Begeisterung  am „Tag des Schwäbischen Waldes“ über dem Murrtal

Burg Reichenberg bei OppenweilerBurg Reichenberg bei Oppenweiler

Beim „Tag des Schwäbischen Waldes“ war der Wehrturm der Burg Reichenberg mit dem dunklen Kerker für viele der Höhepunkt. Jung und Alt nahmen die Burgführungen auf der Reichenberg bei Oppenweiler als eindrucksvolles Erlebnis am Sonntagabend nach hause. „Ein wenig gruselig ist das schon“, flüsterte ein Besucher im Turm beim Blick in die Tiefe. „Wenn man bedenkt, dass hier vor 500 Jahren eine angebliche Hexe aus Stuttgart im Verlies in unsäglichen Leid und Unrecht verbrachte.“ Später dann zu Forstverwaltungszeiten verbüßte mancher Wilderer und Holzdieb hier seine Strafe im tiefen, kalten Loch bei Wasser und Brot. Manch Gast bekam eine Gänsehaut, als Burgführer Wolfgang Schneider und die Burgfrauen Klaperoth-Spohr und Weigle in authentischen Kostümen aus der Geschichte der Burg berichteten. Dass ausgerechnet der Markgraf von Baden, Errichter der Burg, Thema beim Tag des Schwäbischen Waldes war, störte die Besucher weiter nicht. Glücklicherweise ging die Reichenberg ja dann später als Heiratsgut in den Besitz der Württemberger über.

Zu vielen erstaunlichen Episoden aus dem langen Dasein der stolzen Burg  gab es das Murrtal aus einer ganz außergewöhnlichen Perspektive. Weit reichte der Blick an diesem Spätsommertag über Backnang und bis zur Schwäbischen Alb am Horizont.

Süsse und salzige Kuchen und rustikale Vesper im romantischen Hof stärkten Hunderte von Besuchern des Burgcafés. Ein vielfältiges Programm für alle Alterstufen gab es zudem rund um die historischen Mauern. Spielstraße oder die Märchenerzählerin, das Paulinenlädle und die Korbflechter aus Backnang, Honigspezialitäten oder Hochprozentiges – alles fand reges Echo bei den Besuchern.  Die Paulinenpflege Winnenden e.V. beteiligte sich damit am „Tag des Schwäbischen Waldes“. Die diakonische Einrichtung öffnete das Tor der Burg Reichenberg bei Oppenweiler und über 600 Kinder und Erwachsenen nahmen alleine an den 16 Burgführungen über dem Nachmittag teil.


Saustarke Wochensieger aus Oppelsbohm

Über 200 Grundschüler aus dem Rems-Murr-Kreis bei Naturerlebnistagen auf dem Paulinenhof der Paulinenpflege Winnenden e.V.

Eine Woche lang immer dasselbe Spiel: Innerhalb von wenigen Minuten füllte sich jeden Vormittag der landwirtschaftliche Bioland-Betrieb der Paulinenpflege Winnenden e.V. bei Hertmannsweiler mit Grundschülern aus dem Großraum Winnenden, Berglen und Backnang. Plötzlich waren die Tiere auf dem Paulinenhof nicht mehr in der Überzahl – der Grund: Hofleiter Dietmar Oppenländer und sein Team hatten wieder zu den Paulinenhof-Naturerlebnistagen eingeladen!

Dieses Jahr lautete das Motto „Saustarke Typen – unsere Schweine“ – vom Wer-ist-der-beste-Bauer-Parcour über das saumäßig spannende Trüffelschweinspiel bis hin zur Traktorfahrt zu den Sonnenblumenfeldern des Paulinenhofs wurde den Grundschülern jede Menge geboten, um die Zusammenhänge in der Natur- und Tierwelt hautnah erlebbar zu machen.

Besonders interessiert waren die Schüler in der saustarken Infostraße mit außergewöhnlichen Einblicken ins Schweineleben, der Geschichte des Hausschweins und den vielen Einsatzgebieten von Schweinen sowie einem Blick hinter die Kulissen der Schweineaufzucht. Dabei kam immer wieder Erstaunliches zutage, z.B. dass Schweine ca. 13 Stunden täglich schlafen, bis zu 60 km/h laufen und mit ihrer Schnauze bis zu 300 kg heben können. Der Höhepunkt eines jeden Tages war dann das Grillen von Bio-Roten, die vom Schweinefleisch des Paulinenhofs hergestellt werden.

Am Ende der Woche steht Dietmar Oppenländer sehr erfreut in den nun leeren Kulissen der Naturerlebnistage: „Wahnsinn, wie schnell diese Woche doch wieder vorbei war. Ich kann noch kaum glauben, dass wir innerhalb dieser fünf Tage über 200 Schüler durch Action-Parcour, Infostraße und Traktorfahrt geschleust haben. Auch die Bio-Roten sind alle verspeist!“ Begeistert waren am Ende jeden Naturerlebnistages auch Lehrer wie Schüler „Unglaublich, mit welchen Überraschungen das Hofteam jedes Jahr aufwartet“, „Wir sind schon zum fünften Mal dabei und werden auch im nächsten Jahr wieder mitmachen!“ und „Wann können wir uns denn für 2009 anmelden?!“ – das sind nur einige der Reaktionen der Grundschulen in diesem Jahr.

Nicht nur die Praktikantinnen des Freiwillig Ökologischen Jahres waren die ganze Woche im Einsatz, auch die Beschäftigten des Paulinenhofs, Menschen mit Behinderungen, die teilweise auch gehörlos sind, waren dabei. „Für unsere Beschäftigten sind die Naturerlebnistage zum einen eine große Abwechslung im Arbeitsalltag. Zum anderen kommen sie hier mit einigen Menschen von außerhalb des Hofes in Kontakt und können ihnen stolz ihre Arbeitsplätze zeigen“, erzählt Hof-Chef Dietmar Oppenländer.

Inzwischen stehen auch die Wochensieger der Paulinenhof-Naturerlebnistage fest – saustarke Glückwünsche gehen an die Nachbarschaftsschule Oppelsbohm! Die Klassen 4a/b haben in der Spielstraße alle anderen teilnehmenden Klassen aus dem Rennen geworfen und dürfen sich nun im Hoflädle ein Klassenvesper kaufen.


Spiel, Spaß und Spannung beim Jahresfest 2008 der Paulinenpflege Winnenden

Das Jahresfest 2008 der Paulinenpflege Winnenden war wieder ein gelungenen Fest für die ganze Familie. Dies war nicht nur dem Sommerwetter zu verdanken, das Kind und Kegel auf die Spielwiese des BBW trieb. Bei Spiel, Spass und Spannung konnten die Besucher auf dem ganzen Gelände des Berufsbildungswerkes kurzweilig den Sonntagnachmittag verbringen.

Ob mit dem Bungee-Trampolin hoch hinaus, im Beduinenzelt auf dicken Teppichen ausruhen, das Fell der Tiere im Streichelzoo des Paulinenhofes fühlen, in der Schminkecke zur Katze werden, auf der Spielstraße Punkte sammeln oder natürlich das leckere Essen vom Salat bis zum Hamburger genießen – es war für jeden etwas geboten. Ein Höhepunkt war das Dunkelcafé, in dem mancher Besucher das Blindsein erfahren konnte. In völliger Dunkelheit ordert man Kaffee und Kuchen, bestellt und bezahlt. Ist das meine Tasse oder die meines Nachbarn? Sind das ein oder zwei Euro? Und plötzlich wird Essen und Trinken zum ziemlich intensiven Sinneserlebnis!

Die Werkstätten des Berufsbildungswerkes wurden von vielen ehemaligen Azubis besucht. Ob nun die Schreiner oder die Metaller, die Schneiderinnen oder die Mediengestalter, um nur vier aus dem großen Spektrum des BBW zu nennen, das Interesse an den Werkstätten der Paulinenpflege ist sehr groß. Die Ausbildung von über 330 gehörlosen oder schwerhörigen Auszubildenden erfordert ein breitgefächertes Bildungsangebot. Die wohnortnahe Rehabilitation ist eine neue Form, die von der Paulinenpflege angeboten wird. Hier werden Auszubildende sowie Ausbilder in der freien Wirtschaft wohnortnah und dezentral über die Lehrzeit betreut und begleitet.

Als Startpunkt sagte Pfarrer Thomas Weinmann die Gäste in der Schlosskirche in Winnenden: „Schön, Sie wieder in unserer Mitte begrüßen zu dürfen. Wir feiern dieses Fest nunmehr seit 184 Jahren. Ihr zahlreiches Erscheinen ermuntert uns jedes Jahr aufs Neue, eine abwechslungsreiche Veranstaltung zu organisieren.“. Eindrucksvoll gestalteten die Kinder des Jugendhilfeverbundes der Paulinenpflege mit Musicaleinlagen und einem eindrucksvollen Zenturio in Kapernaum zu Lukas 7. Das Fürbittengebet wurde in Gebärdensprache von gehörlosen Auszubildenden des Berufsbildungswerkes vorgetragen.


Pflege und Urlaub im Hotel am Kurpark - Gemeinsam Kraft tanken

Gemeinnützige Träger Reha-Südwest gGmbH und Paulinenpflege Winnenden e.V. errichten erstes Pflegehotel

In Bad Herrenalb im Schwarzwald gibt es seit wenigen Tagen das Hotel am Kurpark, in dem Pflegende, Pflegebedürftige und Menschen mit und ohne Behinderungen allein oder gemeinsam Urlaub machen können. Am vergangenen Freitag wurde das Hotel eingeweiht und Gästen aus Politik, Pflegekassen, Ämtern und einer großen Zahl Interessierter erstmals präsentiert. Träger des Hotels in einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft sind zwei soziale Einrichtungen: Die Paulinenpflege Winnenden und die Reha-Südwest für Behinderte gGmbh mit Sitz im badischen Karlsruhe. Im Hotel werden auch Menschen mit Behinderungen als Mitarbeiter beschäftigt.

Im dem direkt am Kurpark gelegenen Hotel in Bad Herrenalb machen Pflegebedürftige und Angehörige gemeinsam Urlaub. Das barrierefreie Haus im Schwarzwald wurde in zweijähriger Bauzeit errichtet und ebeso modern wie gemütlich ausgestattet. „Es ist auf Pflegende und pflegebedürftige Gäste sowie auf Menschen mit und ohne Behinderung ausgerichtet. Sogar Pflegekurse sind während des Urlaubsaufenthalts möglich. Was nicht heißt, dass nicht auch einfach Erholungssuchende im Hotel am Kurpark einige entspannende Tage verbringen können“, erklärt Dr. Thomas Weinmann, Vorstand und Hauptgeschäftsführer der Paulinenpflege Winnenden, das Konzept.

Das Haus hat 61 geräumige Hotelzimmer oder Appartements und 156 Betten, davon 34 Pflegebetten, die elektrisch höhenverstellbar sind. Die Appartements bestehen aus zwei Räumen, die miteinander verbunden sind. Eines der Zimmer ist mit einem Pflegebett ausgestattet, das zweite verfügt über ein Doppelbett. Alle Bäder sind rollstuhlgerecht ausgestattet und verfügen über Haltegriffe. Rollstuhlbenutzer freuen sich über Radien in den Bädern von mindestens 120 cm, teils sogar 150 cm. Alle Zimmer und auch die Bäder verfügen über eine Notrufanlage. Ein ärztlicher Bereitschaftsdienst ist gewährleistet. Die pflegerische Sicherheit garantiert die Sozial- und Diakoniestation Bad Herrenalb.

Pflegende Angehörige können sich von ihrem belastenden pflegerischen Alltag erholen, weil im Hotel eine Tagesbetreuung für Pflegebedürftige angeboten wird. Der große Vorteil dabei ist, dass das Pflegeteam der Sozialstation seine Räume im Nordflügel des Hotels bezogen hat, also ständig direkt im Haus ist. Durch die Rufbereitschaft steht auch nachts eine ausgebildete Pflegekraft in pflegerischen Notfällen zur Seite.

Auch Menschen, die beispielsweise nach einem Klinikaufenthalt nur kurzfristig pflegebedürftig sind, können sich mit einem betreuten Aufenthalt im „Hotel am Kurpark“ wieder erholen. Die pflegerischen Leistungen können über die Kranken- und Pflegekassen abgerechnet werden.

Im Erdgeschoss des Gebäudes bietet das Diakonische Institut für Soziale Berufe Pflegekurse an für Angehörige und ehrenamtlich tätige. Anerkannte Fachkräfte vermitteln Pflegetechniken und spezielle pflegerische Maßnahmen, mit denen der Pflegealltag erleichtert werden kann.

Weinmann legt großen Wert auf die Feststellung, dass das „Hotel am Kurpark“ ein Urlaubsdomizil ist. „Es ist kein Pflegeheim, in dem man auch Urlaub machen kann, sondern ein Hotel mit einem besonderen Angebot für Pflegende und Pflegebedürftige. Deren Zahl wird in den nächsten 20 Jahren um etwa 50% steigen.“ So ist an stationäre Pflege nicht gedacht, sondern an Leistungen im Bereich der ambulanten Pflege in den Hotelzimmern. Auch Hilfsmittel werden bei Bedarf gestellt oder ausgeliehen. Ein Rollstuhlfahrdienst bringt Gäste mit modernsten, klimatisierten Fahrzeugen und geschultem Fahrpersonal anz Ziel.

Auch die nähere Umgebung wurde auf Barrierefreiheit gestestet. Johann Kreiter, Vorsitzender der NatKo (Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.V.) und selbst mobilitätseingeschränkt, hat das ganze Gebäude getestet, das Herrenalber Thermalbad inspiziert und auch die wunderschönen Spazierwege im Ortskern von Bad Herrenalb. Das Ergebnis: Das Hotel am Kurpark und die Einrichtungen der Stadt Bad Herrenalb bieten sich für die Urlaubsplanung von mobilitätseingeschränkten Menschen bestens an.

Weitere Details unter gibt es unter www.hotelak.de


KUHles TV-Programm: Paulinenhof im ZDF

Der Paulinenhof war europaweit im Fernsehen zu sehen. Anfang April waren die Dreharbeiten für die Sendung ZDF.umwelt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Paulinenpflege Winnenden. In der Rubrik "Kochen für Kids" werden Schulkantinen umgekrempelt. Zulieferer der Bio-Produkte ist der Paulinenhof. Zu sehen war der Beitrag in ZDF.umwelt am So, 27.04.08.

Die ZDF-Redaktion schreibt dazu: "In vielen Schul- und Kitakantinen wird nach dem Motto "schnell und billig" gekocht. Minderwertige Fertigprodukte mit viel Fett und wenigen Nährstoffen gehören zur Grundausstattung. Dort ist das Angebot an frischem Gemüse und Salat meist dürftig: Zu teuer, wiegelt die Verwaltung in solchen Fällen ab. Eine schwierige Situation, zugegeben. Das wollen wir ändern und haben deshalb Bio-Spitzenkoch Christian Kolb ins Lise-Meitner-Gymnasium in Remseck geschickt. Hier will er beweisen, dass man auch für relativ wenig Geld mit biologisch angebauten Produkten lecker und kindgerecht kochen kann."

Sendung verpasst?! Kein Problem - in der ZDF.mediathek können Sie die Sendung rund um die Uhr online anschauen! Einfach reinklicken!

Ab sofort heißt es also nicht nur: "Mit dem Zweiten sieht man besser!", sondern "Mit dem Paulinenhof schmeckt es besser!"


Wenn ich ein Schwein wäre, würde ich auch auf einem Bioland-Bauernhof leben

Paulinenhof-Schulprojekt „Saustarke Typen – unsere Schweine“ beeindruckt Grundschüler aus Hertmannsweiler

Betritt man derzeit den Schweinestall des Paulinenhofs bei Winnenden-Hertmannsweiler kann es durchaus sein, dass hier fast mehr Schüler als Schweine wuseln. Grund dafür ist ein sehr praxis- und lebensnah orientiertes Schulprojekt der Grundschule Hertmannweiler. Ingesamt sechs Vormittage wird die Klasse 4 bis Juli auf dem Bioland-Betrieb der Paulinenpflege Winnenden zu Gast sein und dort Spannendes und Erstaunliches über „Saustarke Typen – unsere Schweine“ erfahren.

Initiiert wurde das Projekt gemeinsam von Lehrerin Gundrun Mack und Paulinenhof-Leiter Dietmar Oppenländer – beides alte Hasen, was Paulinenhof-Naturprojekte betrifft: Dietmar Oppenländer veranstaltet schon seit Jahren kurz vor den Sommerferien die Naturerlebnistage für Grundschüler - Lehrerin Mack ist mit ihren Klassen regelmäßige Teilnehmerin der Naturerlebnistage. Das Besondere am neuen Schulprojekt ist das langfristige Beobachten von Schweinen – von der Geburt über die Aufzucht bis zum Endprodukt Wurst oder Fleisch. „Ich finde es wichtig, dass die Kinder sehen, welche Arbeit dahintersteckt, bis ein Schwein artgerecht aufgezogen ist und dann irgendwann auch zur Wurst wird. Dieses Bewusstsein und auch die Ehrfurcht fehlt vielen Kindern, selbst, wenn sie wie unsere auf dem Land aufgewachsen sind“, erzählt Gudrun Mack.

Und da ist es notwendig, dass die Schüler viel Zeit zum Beobachten, Skizzieren und Mitschreiben haben. Jeder Schüler ist mit einem Schreibblock bewaffnet, als FÖJ-Praktikantin Sara Ladenburger im Schweinestall die Aufzucht der Schweine erklärt und auch viel Bemerkenswertes zu Tage fördert: „Schaut mal, jetzt hat die Milchbar wieder geöffnet! Das Mutterschwein hat gegrunzt“ und schon sieht die ganze Schülerhorde, wie sich zwölf kleine Schweinchen um Zitzen der Mutter drängen. Die Frage nach der Tragezeit von Schweinen kommt wie aus der Pistole geschossen: „Drei Monate, drei Wochen und drei Tage“ – das wissen die Schüler schon vom ersten Besuch auf dem Paulinenhof und haben es sich sehr gut eingeprägt.

Lehrerin Mack ist begeistert, wie ihre Schüler durch die Paulinenhof-Besuche ganz neue Seiten und Talente an sich selbst entdecken: „Felix will doch jetzt tatsächlich eine Geschichte über sein Lieblingsschwein schreiben, dabei ist er normalerweise ein Schreibmuffel.“ Dagegen hat Christian schon zu Hause recherchiert und das Bild von einem Chinesischen Maskenschwein mitgebracht. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt und so entstehen während des Praktikumszeitraums „Schweinebücher“, in denen die Schüler alles das festhalten, was Ihnen wichtig ist. Der Höhepunkt wird dann ein Abschlussfest im Juli, bei dem die Schüler für ihre Eltern und die Paulinenhof-Bewohner das Singspiel „Der Schweinehirt“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen aufführen wollen.

Somit ist das Projekt mehr als Fächer übergreifend – ob Deutsch, Musik, Bildende Kunst oder auch Bio, alles ist vertreten und mit berücksichtigt. Nach viel Praxis mit Stallgeruch ist dann erstmal Vesper angesagt, auch dabei wird nur über die Schweine diskutiert, besonders beeindruckt sind die Hertmannsweiler Schüler von dem abendlichen Ausflug des Schweine-Kindergartens – am Vorabend war nämlich eine ganze Horde von kleinen Schweinen ausgebrochen und haben sich in Stall und Wiesen vergnügt. „Das Chaos war gestern abend groß, aber die Schweine hatten großen Spaß. Nun sind sie alle erledigt und müssen erstmal den Schlaf nachholen“ erklärt Landwirtschaftsmeister Dietmar Oppenländer die fast völlig leblosen Schweine in einer Box.

Danach beantwortet er gemeinsam mit Praktikantin Sara Ladenburger die zahlreichen Fragen der Schüler. Und auch die Rückfragen an die Schüler ergeben, dass sie vom heutigen Tag sehr viel mitgenommen haben – z.B. haben sie sehr genau beobachtet, was der Unterschied der Aufzucht von Bio-Schweinen und konventionellen ist: „Die haben bei Euch mehr Platz zum Rumlaufen“, „sie können raus an die frische Luft, wann immer sie wollen“ oder „die Schweine bekommen anderes Futter“. Das größte Kompliment an den Paulinenhof kommt am Ende der etwas anderen Schulstunden von einem Schüler: „Wenn ich ein Schwein wäre, würde ich auch auf einem Bioland-Bauernhof leben!“


Im Osternest ein Fußballspiel

Gleich zwei VfB-Fanclubs aus dem Rems-Murr-Kreis bringen Bewohner und Beschäftigte der Paulinenpflege Winnenden ins Gottlieb-Daimler-Stadion

Kurz vor Ostern gab es für Bewohner und Beschäftigte der Paulinenpflege Winnenden eine große Überraschung: Der Backnanger VfB-Fanclub „Feuer und Flamme“ lud am Wochenende 30 Beschäftigte der Reha-Werkstatt Backnang zum VfB-Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock nach Stuttgart ein. Gleichzeitig organisierte der „OFC Weiß-Rote Schwoba Leutenbach 2002“ eine Fahrt für weitere 20 Menschen mit Behinderungen aus den Wohnangeboten Behindertenhilfe der Paulinenpflege ins Gottlieb-Daimler-Stadion.

Dort angekommen mit Omnibus Verkehr Ruoff Backnang und Bussen der Paulinenpflege gab es ein großes Hallo. Die Beschäftigten der Reha-Werkstatt durften mit dem VfB-Fanbeauftragten Peter Reichert und dem Rems-Murr-Sportkreisvorsitzenden Erich Hägele auf das Gruppenfoto. Auch für die Bewohner aus der Paulinenpflege Winnenden gab es viele Überraschungen – der Fußball-Osterhase hatte immer wieder Süßigkeiten auf dem Weg ins Stadion verloren.

In der ersten Halbzeit ging es im Stadion noch etwas zurückhaltend zu, was vor allem an der zunächst torlosen Partie des VfB Stuttgart lag. Doch die von den Fan-Clubs spendierte Stadionwurst in der Halbzeit brachte nicht nur die Menschen mit Behinderungen in der Cannstatter Kurve auf Trab, sondern auch die Spieler auf dem grünen Rasen: Vier Tore für den VfB und nur ein Gegentor waren das Ergebnis der Begegnung. Klar, dass die Fankurve aus dem Feiern nicht mehr herauskam. Für die Beschäftigten und Bewohner aus der Paulinenpflege Winnenden war die Einladung der Leutenbacher und Backnanger Fanclubs das größte Überraschungsei im Osternest. Reiner Walther, der Leiter der Reha-Werkstatt, ebenfalls mit unter den Jubelnden, ist mehr als zufrieden: „Die Fanclubs haben unseren Menschen mit Behinderungen eine Riesenfreude zu Ostern bereitet. So etwas erlebt man nicht alle Tage und wer weiß: Vielleicht war der VfB-Sieg auch ein kleiner Verdienst von uns?!“

Klar, dass beim Verlassen des Stadions die häufigst gestellte Frage war: Wann fahren wir wieder ins Stadion? Und das war das größte Dankeschön an die VfB-Fanclubs „Feuer und Flamme Backnang“ sowie „Weiß-Rote Schwoba Leutenbach“!


Martin-Gruner-Haus bezogen und eingeweiht

Am 07. März 2008 wurde unser neues Wohnheim für die älteren Bewohner der Wohnangebote Behindertenhilfe in Winnenden im Kreise der künftigen Bewohner und MItarbeiter/innen eingeweiht. Benannt wurde das „Martin-Gruner-Haus“ nach dem langjährigen Leiter der Paulinenpflege während der Zeit von 1952 bis 1983. Beim Festakt mit dabei war u.a. auch einer der Söhne des Namensgebers, Christoph Gruner, der ein Grußwort hielt.

Das in der Ringstr. 90 gelegene Haus ersetzt die Wohnplätze im historischen Heinrich-Bäßler-Haus, das aus Gründen des Brandschutzes nicht mehr bewohnt werden darf und künftig als Bürogebäude dient. Das Haus hat 50 Plätze, Hausleiterin ist Frau Inge Martin. Naturgemäß ist ein so großer Umzug ein Kraftakt. Alle Beteiligten, insbesondere die Mitarbeiter/innen des Wohnbereichs sowie die Mitarbeiter/innen der Hauswirtschaft und Reinigung haben sich ein ganz besonders dickes Lob und ein herzliches Dankeschön für ihren ganz außergewöhnlichen Einsatz in der Umzugszeit verdient!


Paulinenpflege Winnenden im SWR-Fernsehen

Diese Woche wird in "Baden-Württemberg aktuell" das Lernprogramm für Menschen mit Behinderungen vorgestellt

News-Flash: Am Karfreitag lief in der Nachrichtensendung des SWR-Fernsehen "Baden-Württemberg aktuell" ein Beitrag über das Computer-Lernprogramm "ONLINE" für Menschen mit Behinderungen. Bei diesem von der Paulinenpflege mitentwickelten Programm werden schwierige Inhalte einfach und ganz dicht dran an der Zielgruppe umgesetzt. So können Menschen mit Behinderungen auf der Lernplattform www.on-line-on.eu lernen, wie man im Internet Musik anhören und abspeichern kann, wie der Umgang mit der Maus verbessert und die Bildschirmoberfläche anwenderfreundlich eingerichtet werden kann. Ein sehr vereinfachtes eMail-Programm macht erste Gehversuche und Kommunikation übers Internet möglich.

Die Dreharbeiten fanden Anfang März in der Werkstatt Winnenden der Backnanger Werkstätten statt.


Statt Schule ganz neue Einblicke

Grundschüler aus Aspach besuchen mit dem „Großaspacher Modell“ die „Backnanger Werkstätten“

Als sich die Grundschüler der Klasse 3a der Grundschule Großaspach zusammen mit Schuldiakon Gottfried Schwegler an der Bushaltestelle treffen, wissen die Kinder noch nicht genau, was sie erwartet. Heute steht nämlich Schule einmal anders, ein Besuch in den „Backnanger Werkstätten“ auf dem Programm. Gespannt laufen die Grundschüler inklusive Lehrer und begleitende Mütter vom Backnanger Bahnhof zur Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.

Dort angekommen, wird die Gruppe freundlich und neugierig begrüßt. Die Beschäftigten sind begeistert und freuen sich über den Besuch der Schüler, Berührungsängste kommen erst gar nicht auf. Gottfried Schwegler, Initiator der Aktion, erzählt: „Die Grundschüler waren sofort angetan von den behinderten Menschen und deren Arbeit. Die offene Art der Beschäftigten hat die Herzen der Schüler sofort erreicht!“ Zuerst dürfen die Schüler den BKWlern in der Montageabteilung am Schraubensortierband zuschauen, danach geht es mit Natur pur in der Korbflechterei zur Sache. Die Schüler erfahren hier, wie aus einer Weide ein Korb wird. Zum Schluss gibt es Einblicke in die Arbeit der behinderten Menschen in der Näherei, in der z.B. Bezüge für die Autoindustrie angefertigt werden.

Wenn es Verständigungsprobleme zwischen den gehörlosen Beschäftigten und den Grundschülern gibt, ist Gottfried Schwegler als Gebärdensprachdolmetscher behilflich. Die Sprache der Gehörlosen fasziniert die Schüler besonders. Der Höhepunkt des Besuchs für die Beschäftigten der „Backnanger Werkstätten“ ist eine musikalische Überraschung der Aspacher: Am Ende der Führung durch die Behindertenwerkstätten präsentieren sie als Dankeschön für die offenen Werkstatttüren ein Lied.

Am nächsten Tag wird der Besuch in den „Backnanger Werkstätten“ im Religionsunterricht aufgearbeitet. Schuldiakon Gottfried Schwegler ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „In der Schulstunde ist sehr deutlich geworden, dass die Kinder für das Leben von behinderten Menschen sensibilisiert wurden und einen ganz anderen Zugang zu diesem Thema gefunden haben. Viele sind beeindruckt, was Menschen mit Behinderungen alles leisten und v.a. wie freundlich, interessiert und offen diese sind. Vielleicht kann irgendwann auch mal ein Gegenbesuch der BKWler bei uns an der Schule stattfinden. Wir würden uns freuen!“.

Für das Projekt „Großaspacher Modell“, das die Paulinenpflege Winnenden gemeinsam mit der Evang. Kirchengemeinde Großaspach, dem Evang. Kirchenbezirk Backnang und der Grund- und Hauptschule Großaspach initiiert hat, ist diese Aktion nicht die erste. Innerhalb des Projekts gibt es immer wieder Möglichkeiten für Schüler ihren Horizont außerhalb der Schule zu erweitern und

eine noch größere Sozialkompetenz zu erwerben. So waren auch schon Schulklassen im Berufsbildungswerk der Paulinenpflege, um die Ausbildung von gehörlosen Azubis kennenzulernen oder wurde gemeinsam mit hörbehinderten Schülern das Gemeindehaus in Großaspach renoviert. Die BVJ-Schüler waren im Gegenzug auch schon zu einem Fußballturnier mit anschließendem Grillfest in Großaspach zu Gast.

In dieser unkonventionellen und praxisnahen Art von präventiver Jugendhilfe gibt es inzwischen viele Projekte, die der Schuldiakon betreut. Er koordiniert u.a. die Lernbegleitung und Leseförderung für schwächere Schüler durch ehrenamtliche Mitarbeiter, bildet zusammen mit den betreffenden Klassenlehrern Schüler-Mentoren aus, die in den Schulpausen für eine bessere Atmosphäre auf den Schulhöfen sorgen sollen. Besonders beliebt ist auch der Mittagstisch, der einmal wöchentlich von zwei kirchlichen Mitarbeiterinnen angeboten wird. Und der Kreativität sind auch weiterhin keine Grenzen gesetzt.


Rasante Stars, gute Unterhaltung und jede Menge Bildung

Der Freizeit- und Bildungsbereich „Club Paula“ der Paulinenpflege hat neue Räume und ein buntes Programm für Menschen mit Behinderungen

Betritt man die neuen Räume des „Club Paula“ im Stadtbereich Winnenden wird man sofort von der gastfreundlich gemütlichen Atmosphäre angesteckt. Hier spürt der Besucher sofort: Ich bin willkommen, ein gern gesehener Gast! Kein Wunder, dass der Freizeit- und Bildungsbereich, der zu den Wohnangeboten Behindertenhilfe der Paulinenpflege Winnenden gehört, aus fast allen Nähten geplatzt ist. Bis Anfang des Jahres waren Bistro, Internet-Cafe und Bastelraum im Heinrich-Bässler-Haus untergebracht. Durch den Umzug der Wohngruppen des Heinrich-Bässler-Hauses ins neu erbaute Martin-Gruner-Haus mussten auch für den „Club Paula“ neue Räume gesucht werden.

Gefunden wurden diese Ende letzten Jahres in den ehemaligen BVJ-Schulräumen in der Langen Gasse. Club-Paula-Chef Ulrich Bühner ist begeistert: „Anfangs hatten wir Angst, dass uns durch den Umzug unseres Bereiches einige Besucher verloren gehen, da wir nicht mehr ganz so zentral auf dem Gelände sind. Die gemütlicheren Räume haben das allerdings mehr als wett gemacht und nun haben wir mehr Bewohner als zuvor. Vor allem die Verweildauer der einzelnen in Bistro, Internet-Cafe und Bastelraum hat sich erhöht!“ Am Eröffnungsabend waren über hundert Besucher im „Club Paula“, inzwischen hat sich die Besucherzahl bei fünfzig bis siebzig Bewohner eingependelt.

Zum Neustart haben sich die Mitarbeiter im Club Paula einiges einfallen lassen. Eine Woche lang lief das Festwochen-Sonderprogramm mit Hot Dogs for free, Pantomime mit Popcorn, Kickernachmittag, italienischem Abend und ganz besonderen Gästen, darunter Hauptgeschäftsführer Pfr. Thomas Weinmann. Einer der VIPs brachte die Club-Paula-Besucher besonders rasant in Fahrt: Rennfahrer Markus Winkelhock aus Berglen war der absolute Besuchermagnet!

Dieser Abend ist bei den Club Paulanern ganz besonders in Erinnerung geblieben. Dazu Ulrich Bühner: „Der Rennstar war alles andere als unnahbar. Markus Winkelhock hatte keinerlei Berührungsängste gegenüber unseren Menschen mit Behinderungen und obwohl er nur eine halbe Stunde für seinen Besuch eingeplant hatte, blieb er über drei Stunden bei uns.“ Die Autogramme waren natürlich heiß begehrt und die allermeisten wollten sich auf einem Foto mit dem Rennsportler verewigen. Ebenfalls spannend lief das Interview der Heimzeitung mit dem Rennfahrer ab. Die Faszination bestand dann auf Bewohner- wie auch Rennfahrer-Seite: „Markus Winkelhock hat die zahlreichen Fähigkeiten unserer Bewohner sehr bewundert. Besonders fasziniert war er von der Gebärdensprache der Gehörlosen“, erinnert sich Ulrich Bühner.

Faszinierend vielfältig ist auch das „normale“ Programm des „Club Paula“. So gibt es neben dem allabendlichen Treff im Bistro inklusive Filmvorführungen regelmäßige Freizeitangebote wie Schwimmen, Sport, Zugfahrten durchs Ländle sowie Stadionbesuche. Auf dem Bildungsprogramm stehen Gebärdenkurse für hörende Bewohner, Kochkurse, PC-Kurse, Schule, Burgführungen, das Erstellen einer Heimzeitung und die Produktion eines eigenen Films. Außerdem werden für die

Bewohner der Paulinenpflege mehrmals Urlaube angeboten. So steht demnächst eine einwöchige Schiffsreise auf holländischen Kanälen auf einem alten Frachtschiff an.

Für die mehrfach behinderten Menschen in der „Blauen Arche“ bietet der „Club Paula“ zudem Einzelbetreuungsmaßnahmen an. Außerdem ist das Freizeit- und Bildungs-Team auch regelmäßig außerhalb der Winnender Wände auf Tour: So gibt es auch Club-Paula-Angebote in den Außenstellen der Paulinenpflege in Backnang und Murrhardt. Ein wichtiges Thema ist auch die „Gestützte Kommunikation (FC) für Autisten“.

Eins steht also fest: Im „Club Paula“ wird es nie langweilig, hier ist jederzeit für jeden etwas geboten. „Die vollen Räume sind für uns Verpflichtung. Wir müssen unseren Bewohnern Angebote machen, an denen sie Spaß haben, die sie ansprechen und von denen sie auch wirklich etwas haben.“, fasst Ulrich Bühner das Erfolgskonzept seines Freizeit- und Bildungsbereichs zusammen.


Wo sind die Burggespenster?

Hörgeschädigte Schüler aus dem BVJ der Paulinenpflege Winnenden renovieren Burg Reichenberg bei Oppenweiler

„Gibt es dort Gespenster?“, „Dürfen wir auch den Kerker sehen?“ oder „Wo sind denn die Ritterrüstungen?“ mit diesen und anderen Fragen wurde Otto Haffner, Technischer Lehrer im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Paulinenpflege Winnenden tagelang gelöchert. Grund dafür war ein Praxiseinsatz der hör- und sprachbehinderten Schüler auf einer echten Burg, der Burg Reichenberg bei Oppenweiler.

Nachdem die Paulinenpflege Anfang letzten Jahres das Wohnheim für Menschen mit Behinderungen auf der Burg von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart übernommen hat, wurde an einigen Stellen der Burg Reichenberg Renovierungsbedarf festgestellt. Somit lag es nahe, auch die BVJ-Schüler für Arbeiten in den Burggemäuern anzufragen. Für Otto Haffner und seine Klasse ein höchst willkommener Praxiseinsatz, denn schließlich werden die BVJ-Schüler nicht nur im Theorieunterricht, sondern auch draußen an „echten Einsatzorten“ auf die Ausbildung zum Maler vorbereitet.

Oben auf der Burg Reichenberg angekommen, gab es kein Halten mehr. Die hör- und sprachbehinderten Jugendlichen waren sofort Feuer und Flamme, schließlich renoviert man nicht jeden Tag eine Burg. Otto Haffner erinnert sich: „Die Schüler sind vom ersten Moment an über sich hinausgewachsen, sie waren unermüdlich im Einsatz und haben sehr gut gearbeitet. Es war eine richtige Freude, den Arbeitseifer zu verfolgen!“ Innerhalb einer knappen Woche wurden auf der Burg zwei große Flure und das Treppenhaus frisch gestrichen.

Dabei kam es immer wieder zu Begegnungen mit den Bewohnern der Burg – die Menschen mit Behinderungen aus dem Wohnheim haben sich über den „Besuch“ sehr gefreut und sich nicht nur für die Malerarbeiten, sondern auch für die Jugendlichen selbst interessiert. „Trotz des Altersunterschieds gab es weder von Seiten der Bewohner noch von Seiten der Schüler Berührungsängste. Vom ersten Tag an waren unsere Jugendlichen in das Burgleben integriert und gehörten einfach dazu. So konnten sie die Heimat der Burgleute ganz intensiv kennen lernen“, erzählt Otto Haffner noch immer begeistert. Auch vom Burg-Team selbst gab es am Ende der Renovierungstage höchstes Lob – Wolfgang Schneider, Mitarbeiter im Wohnheim auf der Burg Reichenberg, freut sich: „Der Einsatz der BVJ-Jugendlichen war eine große Bereicherung für uns. Sowohl menschlich als auch fachlich war das Projekt ein großer Erfolg. Die Schüler haben wirklich sehr professionell gearbeitet – eben wie richtige Handwerker! Sie werden uns fehlen!“

Somit fiel der Abschied am Ende des Projekts doch ziemlich schwer, aber Schülern wie Burg-Bewohnern bleibt vieles, was ihnen keiner mehr nehmen kann: Interessante Begegnungen, ein neues Selbstbewusstsein und das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. BVJ-Abteilungsleiter Christoph Beutter ist sich sicher, dass dies keine einmalige Aktion bleibt: „Berufsvorbereitung bedeutet auch lernen und arbeiten in der realen Berufswelt. Deshalb nehmen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten gerne auch Aufgaben wahr, die über den schulischen Alltag hinausgehen. Denn ein Lob und ein Dankeschön der Auftraggeber für ein gelungenes Arbeitsergebnis verschafft unseren Jugendlichen oft mehr Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit als die reine Notengebung zu geben vermag.“

Wenn die Schüler zukünftig auf der B14 an der Burg Reichenberg vorbeifahren, werden sie immer daran denken, dass dort ab sofort auch ein Teil ihrer Leistung zu sehen ist und dass es keine Burggespenster gibt, zumindest nicht während der üblichen Arbeitszeiten.


Stets upgedated und mit der Maus auf „Du und Du“

Paulinenpflege Winnenden stellt europäisches Bildungsprojekt „ON-LINE“ für Menschen mit besonderen Lernschwierigkeiten vor

Drei Jahre lang haben dänische Psychologen, lettische Interessenvertreter, schottische Pädagogen, österreichische Bildungsträger und die Paulinenpflege Winnenden e.V. zusammengearbeitet, um Menschen mit Behinderungen den Spaß am Lernen zu vermitteln. Herausgekommen ist dabei das Bildungsprojekt „ON-LINE“ mit eigener Lern-Homepage. Somit steht fest, dass neben den wissbegierigen Teilnehmern der Computer im Mittelpunkt des Projekts bzw. die immer wichtiger werdende Beziehung zwischen Mensch und PC steht.

Wer zum ersten Mal auf die neue Lernplattform www.on-line-on.eu klickt, merkt, dass hier nicht nur IT-Spezialisten am Werk waren, sondern auch Praktiker, die schwierige Inhalte einfach und ganz dicht dran an der Zielgruppe umgesetzt haben. So können Menschen mit Behinderungen lernen, wie man im Internet Musik anhören und abspeichern kann, wie der Umgang mit der Maus verbessert und die Bildschirmoberfläche anwenderfreundlich eingereicht werden kann. Ein sehr vereinfachtes eMail-Programm macht erste Gehversuche und Kommunikation übers Internet möglich.

Monika Deyle, in der Paulinenpflege für die Entwicklung von „ON-LINE“ verantwortlich, freut sich über das Ergebnis: „Wir haben vor drei Jahren fast bei null angefangen. Damals gab es nur wenige Hilfestellungen für Menschen mit besonderen Lernschwierigkeiten, viele haben sich nicht an den Computer und ans Internet rangetraut. Dabei ist gerade die virtuelle Welt eine große Horizonterweiterung für diesen Personenkreis!“ Parallel zur Entwicklung der Homepage wurden die Inhalte immer wieder in den Backnanger Werkstätten der Paulinenpflege Winnenden getestet und erweitert. Dabei ging es um ganz praktische Dinge, die für den Alltag der behinderten Beschäftigten wichtig sind wie z.B. die Erstellung einer Protokollvorlage für den Werkstattrat, die Suche nach der Homepage des Wohnorts oder die beste Bahnverbindung für die Urlaubsreise.

Für einige der Beschäftigten hat sich durch das Projekt der Arbeitsalltag total verändert. Sie schalten schon morgens den PC ein, aktualisieren die Anwesenheitsliste für den aktuellen Tag und übernehmen somit auch Aufgaben, die früher die Arbeitserzieher in der Werkstatt gemacht haben. Durch die Computerschulungen können nun auch die Beschäftigten in Arbeitsbereiche einbezogen werden, die bisher tabu waren. Dazu Monika Deyle: „Das PC-Coaching hat das Selbstbewusstsein der behinderten Menschen in unserer Einrichtung gestärkt. Sie sind stolz darauf, dass sie stets up to date und mit der Maus auf Du und Du sind. Manchmal wissen sie mehr über den Computer als wir Mitarbeiter. Somit lernen alle Seiten dazu!“

Damit das Projekt „ON-LINE“ nicht nur in der Paulinenpflege Winnenden e.V. genutzt wird, stellt das „ON-LINE“-Team die Lernplattform bei der Werkstätten-Messe der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen Anfang März in Nürnberg vor. Dort können sich Mitarbeiter und Beschäftigte aus ganz Deutschland über die Lust am Lernen am PC informieren. Und nach einer kurzen Pause geht es im Sommer mit der Weiterentwicklung weiter, denn: Stillstand ist Rückschritt!


Burg Reichenberg ein einziges Weihnachtsmärchen

Beim Burg-Weihnachtsmarkt der Paulinenpflege Winnenden strömen die Massen in den Burghof

So was haben Bewohner wie Mitarbeiter der Burg Reichenberg noch nicht erlebt: Innerhalb weniger Minuten füllt sich der weihnachtlich geschmückte Burghof mit Menschen aus Nah und Fern. Die Paulinenpflege Winnenden e.V. hat zu einem ganz besonderen Weihnachtsmarkt hoch über dem Murrtal eingeladen und viele haben diese Gelegenheit genutzt, um die rund 800 Jahre alte Burg einmal von innen zu sehen und den dritten Advent einmal ganz anders zu verbringen.

Bei Burgführungen für Erwachsene und für Kinder erlebten die vielen Weihnachtsmarktbesucher die Geschichte der Burg bei Oppenweiler hautnah und sehr anschaulich – ob in der Kapelle, im Kerker oder im Wehrgang, überall gab es spannende Einblicke in das bewegte Burgleben. Wolfgang Schneider, einer der Burgführer und gleichzeitig Mitarbeiter in den Wohnheimen der Burg Reichenberg, ist begeistert: „Es ist faszinierend, dass sich so viele Menschen für die Burg interessieren. Die Entscheidung, die Gemäuer auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war richtig. Endlich fahren die Leute nicht mehr nur an der Burg Reichenberg vorbei, sondern wissen auch, was sich dahinter verbirgt“.

Dabei geht es ihm nicht nur um die Burggeschichte, sondern v.a. auch um die Menschen, die heute auf der Burg Reichenberg leben: Menschen mit Behinderungen, die seit Anfang des Jahres von der Paulinenpflege Winnenden betreut werden: „Es ist schön, dass unsere Bewohner durch den Weihnachtsmarkt Kontakte nach außen knüpfen können. Viele haben schon seit Wochen für den Markt gebastelt, gewerkelt und gebacken. Nun freuen sie sich, dass sich die Weihnachtsmarktbesucher für ihre Basteleien und ihre Heimat interessieren!“

Neben dem Bastelstand der Burg-Bewohner waren u.a. auch der Paulinenhof mit seinen Bio-Produkten und Weihnachtsschmuck, die Korbflechterei und das Paulinenlädle der Backnanger Werkstätten mit vielen originellen Geschenkideen vertreten. Auch von außerhalb der diakonischen Einrichtung waren Stände mit Kunsthandwerk, Honig und Schmuck vertreten. Während die Erwachsenen gemütlich bummelten, hielten die Kleinen nach dem Weihnachtsmann Ausschau, der aufgrund des großen Andrangs gleich zweimal im Burghof vertreten war oder besuchten die Burg-Esel Bobby und Leika.

Da die meisten Besucher zu Fuß den Burgberg erklommen hatten, freuten sie sich über die rustikale Verpflegung und dank eisiger Temperaturen auch über den heißen Glühwein und dampfenden Kinderpunsch. Für weihnachtliche Klänge sorgten der Gemischte Chor Reichenberg und der Gospelchor Oppenweiler.

Als bei der Dämmerung die fast unendliche weihnachtliche Beleuchtung erstrahlte, wollten viele gar nicht mehr von der Burg weg. Eine Besucherin aus Backnang meinte: „Ich habe schon viele Weihnachtsmärkte gesehen, aber eurer ist der schönste. So eine Atmosphäre habe ich noch nie erlebt. Für mich ist das hier ein einziges Weihnachtsmärchen!“ Sprach’s und verschwindet ganz schnell zur letzten Burgführung, die zusätzlich noch eingeschoben wurde, weil die Plätze in den geplanten Führungen bei weitem nicht ausgereicht hatten.

Am Ende des Tages stehen Mitarbeiter wie Bewohner geschafft, aber glücklich vor leeren Töpfen, Gläsern und Ständen. „Die Mühen haben sich gelohnt, die Besucher haben die Burg mit einem Lächeln und neuen Eindrücken verlassen. Das war für uns alle ein ganz besonderer dritter Advent“, und damit bringt Wolfgang Schneider das Erlebte auf den Punkt.


30 Jahre "Backnanger Werkstätten" - viele haben mitgefeiert!

Anläßlich des 30-jährigen Bestehens luden die Backnanger Werkstätten am Sonntag, 23. September zum Tag der offenen Tür. Viele Besucher kamen und ließen sich auf Rundgängen durch die Produktionswerkstätten führen. Dort gab es vieles zu bestaunen, denn auf die Präsentation der Arbeit hatten die Verantwortlichen viel Mühe verwendet. Prominenter Gast war Landrat Johannes Fuchs, der ebenfalls hinter die Kulissen der umfangreichen Arbeit der BKW-Beschäftigten blickte.

Erstmals wurden die angemieteten Räume der Werkstatt K im „Hotel Südtor“ gezeigt. Kinder tobten auf der Hüpfburg oder auf dem Bungee Tramp. An den Verpflegungsständen konnte man es sich gut gehen lassen. Ein weiteres Highlight war der Streichelzoo des Paulinenhofs, bei dem es tierisch zuging!


„Vorbeigefahren sind wir schon oft, jetzt sind wir endlich mal drin“

Hunderte Besucher stürmen Burg Reichenberg der Paulinenpflege Winnenden beim „Tag des Schwäbischen Waldes“

Am Sonntag war es schon kurz vor elf Uhr mit der sonst üblichen Stille in den dicken Mauern der Burg Reichenberg vorbei. Hunderte pilgerten bereits seit dem frühen Mittag auf den Oberen Reichenberg bei Oppenweiler – alle mit nur einem Ziel: Rein in die Burg Reichenberg!

Die Paulinenpflege Winnenden hatte das Burg-Tor anlässlich des „Tag des Schwäbischen Waldes“ geöffnet und das blieb bei Jung und Alt nicht ohne Wirkung, schließlich wären doch alle gern einmal im Leben für einen Tag Burgfräulein oder Burgherr. Und so gab es durchweg nur begeisterte Gesichter - oft hörte man den Satz „Vorbeigefahren sind wir an der Burg Reichenberg schon oft, jetzt sind wir aber endlich mal drin! Hier ist es wunderschön!“ Schon allein der Blick vom Burggarten auf das Murrtal ist für viele ein Erlebnis: „Aus der Perspektive habe ich meine Heimat noch nie gesehen“, staunt z.B. ein Ehepaar aus Backnang, als es auf der Burg ankommt.

Wolfgang Schneider, Organisator des ganz besonderen Events und gleichzeitig zusammen mit Ute Klaperoth-Spohr und Gisela Weigle einer der Burgführer, freut sich riesig über die nicht enden wollenden Besucherströme: „Es ist unglaublich, dass sich soviel auf den Weg gemacht haben, um die Burg Reichenberg aus nächster Nähe anzuschauen!“ Für Wolfgang Schneider ist die Burg schon von Kindesbeinen an nichts Außergewöhnliches, schließlich ist er in einem Haus neben den Burgmauern aufgewachsen, hat auf der Burg seinen Zivildienst absolviert und ist seitdem Mitarbeiter im Wohnheim für Menschen mit Behinderungen innerhalb der Burgmauern. Für die Besucher ist es allerdings alles andere als Alltag, bei den Burgführungen einen Blick hinter die Kulissen von Burggarten, Kapelle, Wehrgang, Turm und Kerker werfen zu können.

Daher sind trotz zahlreicher Burgführungen Wartezeiten von einer Stunde und mehr nicht ungewöhnlich, aber auch nicht weiter schlimm, denn in dieser Zeit konnte man sich nach der Bergwanderung mit einem Leberkäswecken oder Kaffee und Kuchen, das im Burg-Cafe von der Murrtalschule Oppenweiler angeboten wurde, stärken. Kinder konnten währenddessen einer Märchenerzählerin lauschen oder bei verschiedenen Spielaktionen mitmachen. Natürlich gab es speziell für die Kleinen Kinderführungen in historischen Gewändern.

Aber nicht nur für die Burg-Mitarbeiter war der Tag ein ganz besonderer, auch die Bewohner des Wohnheims, das seit Anfang 2007 von der Paulinenpflege Winnenden geführt wird, waren begeistert über soviel „Besuch“. Ob an den Fenstern, Türen oder mittendrin im Trubel, die Menschen mit Behinderungen fühlten sich sichtlich wohl. „Viele unserer Bewohner freuen sich sehr, wenn Leute von außen in die Burg kommen. Es ist schön, wenn Berührungsängste abgebaut und alte Vorurteile, wer hinter den Burgmauern wohl wohnt, abgebaut und beseitigt werden können“, sagt Wolfgang Schneider.

Da das Burg-Cafe, das schon öfter im kleineren Rahmen stattgefunden hat, nun erstmals unter der Regie der Paulinenpflege geöffnet hatte, waren auch einige weitere Attraktionen der Einrichtung vertreten, darunter das Bioland-Hoflädle des Paulinenhofs mit vielen leckeren hofeigenen Produkten sowie die Korbmacherei der „Backnanger Werkstätten“.

Am Ende des langen Tages steht Wolfgang Schneider geschafft, aber glücklich am Burgtor: „Schön war’s und dank der tatkräftigen Unterstützung der Murrtalschule, dem Agenda-Arbeitskreis für Soziales, Gesellschaft und Kultur, vieler Kollegen und Nachbarn ein richtiges Erlebnis“. Fortsetzung folgt – garantiert im nächsten Jahr!



Gemeinsam stark für andere

Berufsbildungswerk Winnenden und Murrelektronik Oppenweiler bauen Hilfsgerät für Korbmacherei der Backnanger Werkstätten

Zwei Elektrotechnik-Azubis aus unterschiedlichen Firmen, mit verschiedener Herkunft, aber einem Ziel, haben sich zusammengetan, um Menschen mit Behinderungen aus den „Backnanger Werkstätten“ zu helfen: Fabian Werner von der Murrelektronik GmbH Oppenweiler und Paul Kopp aus dem Berufsbildungswerk der Paulinenpflege Winnenden e.V. haben ein Gerät entwickelt, das den Menschen mit Behinderungen in der Korbmacherei der Backnanger Werkstätten die Arbeit erleichtern soll. Es handelt sich hierbei um einen elektronischen Weiden-Messer, der innerhalb einer Sekunde die Stärke des Korb-Rohmaterials feststellt.

Diese Messung ist in der Korbmacherei sehr wichtig, damit alle Weiden eines Korbes den selben Durchmesser haben, ansonsten wird der Korb krumm. Bisher haben diese genaue Auswahl leistungsstarke Beschäftigte der Backnanger Werkstätten mit mechanischen Mess-Schiebern übernommen. Dadurch hatten diese aber weniger Zeit zum Körbeflechten und so kam BKW-Vorrichtungsbauer Hans Koch auf die Idee, ein elektronisches Gerät entwickeln zu lassen, an dem auch stärker behinderte Menschen Korbweiden messen und sortieren können.

Da die Backnanger Werkstätten auch in der Vergangenheit schon mit der Ausbildung Elektrotechnik des Berufsbildungswerks Winnenden und der Murrelektronik Oppenweiler zusammengearbeitet hatten, waren die Ansprechpartner für dieses Projekt schnell klar. Hans Koch hat die Idee weitergegeben und die Ausbilder Martin Klein in Winnenden und Hans-Joachim Schön in Oppenweiler ihre Azubis beauftragt: Während Fabian Werner die Elektronik des Geräts aufgebaut und die Testläufe durchgeführt hat, war der gehörlose Paul Kopp für den Bau der Vorrichtung zuständig. Die Zusammenarbeit hat sehr gut geklappt, bei der Vorführung in der Korbmacherei sind Mitarbeiter wie Beschäftigte der Korbmacherei begeistert. Kleine Details müssen noch verändert werden, dann misst ein Laser-Sensor millimeter-genau, zu welcher Kategorie das jeweilige Weidenstück gehört und in welche Kiste für welchen Korb die Weide gelegt werden muss.

Korbmacher-Meister Matthias Bachmann freut sich: „Durch das neue Gerät kann die Arbeit innerhalb der Korbmacherei noch effektiver verteilt werden. Das hilft mir und meinen Beschäftigten enorm weiter! Die Azubis und ihre Ausbildungsmeister haben ganze Arbeit geleistet!“

Neben der Arbeitserleichterung für die Korbmacherei hat das Projekt noch mehr Positives hervorgebracht – so hat der BBW-Azubi Paul Kopp seine „Kollegen“ aus den Backnanger Werkstätten und somit auch einen anderen Geschäftsbereich der Paulinenpflege Winnenden kennen gelernt, ebenso interessant war der Einblick für den Murrelektronik-Azubi Fabian Werner in die Arbeit von und mit Menschen mit Behinderungen: „Ohne dieses Projekt hätte ich die Backnanger Werkstätten und das BBW weiterhin nur von außen gesehen. Jetzt kenne ich einige der Menschen und weiß, was sie trotz ihrer Handicaps alles leisten. Die Zusammenarbeit hat richtig Spaß gemacht!“

Und damit ist das Projekt noch nicht beendet, bei der Vorführung des Korbweiden-Messgeräts wurde vereinbart, dass noch Info-Besuche zwischen Berufsbildungswerk, Backnanger Werkstätten und der Murrelektronik stattfinden sollen. Schließlich sind alle neugierig und interessiert, wie und was die anderen arbeiten.


Weltweit und ganz neu: Fachgebärdenlexikon ab sofort im Internet

Das Fachgebärdenlexikon der berufsbezogenen Fachgebärden ist ab Juni 2007 für jeden frei zugänglich. Im Rahmen zeitgleicher Eröffnungsfeierlichkeiten in Husum, Leipzig, München, Neuwied, Nürnberg und Winnenden wurde das Fachgebärdenlexikon ins Internet gestellt und kann unter dieser Adresse angeklickt werden:

www.fachgebaerdenlexikon.de

Bisher wurden etwa 600 berufsspezifische Fachbegriffe gesammelt, definiert, mit entsprechendem Bildmaterial ergänzt und mit Videosequenzen zu den einzelnen Begriffen und Definitionen in Deutscher Gebärdensprache versehen. Bis zum kommenden Jahr sollen in diesem virtuellen Lexikon, das für jedermann frei zugänglich ist, ca. 1800 Begriffe und Definitionen in Deutscher Gebärdensprache (DGS) und Deutscher Lautsprache enthalten sein!

In der Qualitätsgemeinschaft der Berufsbildungswerke für Menschen mit Hör- und Sprachschädigungen sind die sechs deutschen Spezialeinrichtungen für die Berufsausbildung und Berufsvorbereitung von Menschen mit Hörschädigungen organisiert. Hier haben Fachleute mit ihren hörgeschädigten Auszubildenden und der Einbeziehung von kompetenten und erfahrenen gehörlosen Referenten eine umfangreiche Sammlung von speziellen Fachgebärden für die Berufsfelder Maler, Zahntechnik, Orthopädieschuhmacher, Metall, Raumausstatter und Bauzeichner erarbeitet. Im Fachgebärdenlexikon geben die Berufsbildungswerke für Menschen mit Hör- und Sprachschädigungen einen Einblick in ihr spezielles „know – how“ und stellen ihre besondere Fachkompetenz kostenlos zur Verfügung.

Von der Paulinenpflege Winnenden e.V. waren folgende Fachleute am Fachgebärdenlexikon beteiligt.

Inhaltliche Verantwortung und Redaktion:
Burkhard Lohmann (gehörlos)

Gebärdensprachdozentin:
Gabi Braig (gehörlos)

Medienfachmann:
Martin Kuhn, Gregory Tarkhounian (beide hörend)

Ausbilder:
Selmar Ehmann (hörend)

Lehrer:
Bernd Weeger (hörend)

Gebärdensprachdolmetscherin:
Sonja Lewandowsky (hörend)

Auszubildende:
Natilia Wroz, Florian Gunkel, Stefan Bley, Karabeke Ibrahim (alle gehörlos)

Nicht ohne Stolz spricht man in Husum, Leipzig, München, Neuwied, Nürnberg und Winnenden von diesem Großprojekt, von dem via Internet alle Menschen mit Hörschädigungen, Gebärdensprachdolmetscher, Ausbilder, Lehrer u.v.a. profitieren. Die Kosten werden von den sechs Häusern getragen, ohne weitere öffentliche Förderung dafür erhalten zu haben.

Beim Startschuss im Berufsbildungswerk der Paulinenpflege Winnenden freute sich Dr. Werner Stark von der Qualitätsgemeinschaft der Berufsbildungswerke über das große Interesse der vielen Besucher vor Ort.


Kamel-Baby, Schneewittchen und Besucher aus ganz Deutschland

Die Paulinenpflege Winnenden feierte am 24. Juni mit einem Erlebnispark für Groß und Klein und einigen Überraschungen das Jahresfest 2007

Trotz nicht allzu guter Wetterprognosen im Vorfeld ist das diesjährige Jahresfest mit strahlendem Sonnenschein und ebenso strahlenden Besuchern gestartet. Nach dem Gottesdienst in der Sporthalle des BBW waren Rasen, die Gebäude des BBW, Mensa und die Parkplätze in Winnenden-Schelmenholz bevölkert mit Gästen aus ganz Deutschland, denn für viele Ex-Azubis, die in der Paulinenpflege Winnenden ihre Ausbildung absolviert haben, ist das Jahresfest D E R Ehemaligentreff schlechthin. Das Jahresfest-Team kann inzwischen sogar einen Besucherrekord vermelden.

Festorganisator Marco Kelch freut sich über die durchweg positive Resonanz der Festbesucher: "Es ist schön zu sehen, dass die Bemühungen der Mitarbeiter und der uns anvertrauten Menschen auf so großes Interesse stoßen. Besonders unsere Bewohner und Azubis laufen ganz stolz über das Gelände und sehen im großen Besucherstrom eine Bestätigung ihrer Arbeit. Diese Stimmung wird sicher auch noch in den nächsten Tagen in der Paulinenpflege anhalten!"

Der absolute Renner war der Erlebnispark für Jung und Alt. Die Mitmach-Angebote ließen keine Wünsche offen – vom Riesen-Bungy-Trampolin bis zur Spielstraße war alles dabei, was Familien für einen ereignisreichen Sonntag brauchen. Ganz neu war ein Beduinenzelt mit orientalischen Speisen und einer Kamel-Mutter mit ihrem Kamel-Baby. So war es nicht verwunderlich, dass ab und zu auch Scheichs über das Gelände des Berufsbildungswerks huschten.

Außerdem hatte das Paulinenhof-Theater-Projekt "Schüler meets Mensch mit Behinderungen" in Zusammenarbeit mit Schülern der Ernst-Heinkel-Realschule Grunbach und dem Stück "Hänsel, Gretel und das liebe Schneewittchen" Premiere. Die Theaterbesucher waren begeistert, zum Schluss gab es Standing-Ovations für die sieben Zwerge, Schneewittchen, Hänsel, Gretel, den Prinz und seinen Knappen. Unglaublich, was da in den letzten Monaten entstanden ist: Die fünf Paulinenhof-Bewohner und sieben Realschülerinnen aus dem Remstal waren ein Dreamteam und hatten keinerlei Berührungsängste. Somit ist auch der Zusammenhalt der Theatertruppe inzwischen ein echtes Märchen mit Happy End. Der Erfolg beim Jahresfest ist nun ein Ansporn für weitere öffentliche Aufführungen.

Natürlich waren auch wieder die Türen der Werkstätten im Berufsbildungswerk, in dem über 400 hör- und sprachbehinderte Jugendliche aus ganz Deutschland ausgebildet werden, geöffnet. Bei Führungen konnte hinter die Kulissen der Ausbildung geblickt und bei Gebärdenkursen die Welt der Gehörlosen kennen gelernt werden. Ein Publikumsmagnet war auch wieder der beliebte Streichelzoo des Paulinenhofs inklusive den Alpakas Cicero, Slowfox und Samson. Jede Menge zu gewinnen gab es beim Luftballonwettbewerb. Die ganz mutigen Kleinen haben sogar einen Mini-Bagger-Führerschein erworben.

Erholung pur war im Schatten der Bäume mit einem alkoholfreien exotischen Funky Drink angesagt, der bei jedem Wetter für Urlaubsstimmung sorgt. Auch sonst war für die Stärkung und das leibliche Wohl bestens gesorgt – das PP-Verpflegungsteam hatte von den unverwechselbaren schwäbischen Maultaschen über pikanten Gyros bis hin zum praktischen Würstchen im Wecken wieder alles im Angebot.


Gehörlose Menschen gestalteten außergewöhnlichen Gottesdienst

Die Seniorenwerkstatt der Paulinenpflege war am 18.03. in Unterriexingen zu Gast

Einen ganz besonderen Gottesdienst gab es am 18. März in der Evang. Dorfkirche Unterriexingen zu erleben: Dort gastierte die Seniorenwerkstatt der Paulinenpflege Winnenden mit gehörlosen älteren Menschen, die in den Wohnangeboten Behindertenhilfe der diakonischen Einrichtung leben und kreativ sowie künstlerisch aktiv sind. Gemeinsam mit Pfr. Ulrich Bühner gaben sie Einblicke in ihr Leben als gehörlose Menschen.

Der Gottesdienst stand unter dem Motto "Begegnung". Und das Motto ist Programm: In außergewöhnlichen Aktionen wurden die Gottesdienstbesucher mit einbezogen, zahlreiche Lieder und Gedanken befassen sich mit dem Thema. Dabei wurde auch die interessante Arbeit der gehörlosen Künstlergruppe vorgestellt. Die verschiedenen Gottesdienstbeiträge wurden in die Gebärdensprache übersetzt, damit auch die gehörlosen Besucher den gesprochenen Worten folgen konnten.

Mit dem Gottesdienst wurde gleichzeitig die Ausstellung mit Werken aus der Seniorenwerkstatt in den kirchlichen Räumen eröffnet. Gezeigt wird Kreatives von Einzelkünstlern, aber auch Gruppenarbeiten in den Techniken Aquarell, Wachsmalkreide, Pastellkreide, Holz und Knüpfgarn. Besichtigungen der Ausstellung außerhalb der Gottesdienstzeiten sind in Absprache mit dem Pfarramt möglich. Der Eintritt ist frei!


Indischer Traum wird in Winnenden wahr

Arzt aus Südindien macht ein einjähriges Praktikum in den Wohnangeboten Behindertenhilfe

Bis vor einem halben Jahr waren Behandlungszimmer und Klinikräume in Indien sein zu Hause, jetzt ist er in der Paulinenpflege Winnenden e.V. daheim. Und das darf beim indischen Arzt Prasanna Kumar, der seit Oktober ein einjähriges Praktikum in den Wohnangeboten Behindertenhilfe der diakonischen Einrichtung macht, durchaus wörtlich genommen werden. Trifft man ihn nämlich in „seiner“ Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen im Stadtbereich Winnenden an, so sieht es aus, als würde er hier schon seit Jahren arbeiten.

Die Bewohner, die teilweise auch gehörlos sind, scharen sich um den 42jährigen Dr. Kumar, als sie um kurz nach 16 Uhr von der Arbeit aus den „Backnanger Werkstätten“ zurückkommen. Für sie ist er einer der Ansprechpartner der Wohngruppe, egal, ob es um Kummer mit den Werkstattkollegen, zu tätigende Einkäufe oder um das gemeinsame Anschauen eines Buches geht. Für den indischen Arzt gibt es nichts, was er nicht möglich machen kann. Und er macht es gerne - strahlend erzählt Dr. Kumar vom Geburtstag eines Bewohners: „Obwohl ich an Arthurs Geburtstag frei hatte, musste ich unbedingt an diesem Tag vorbeikommen. Arthur wollte, dass ich ihm gratuliere, das konnte ich ihm nicht ausschlagen!“

Auch sonst fühlt sich der etwas andere Praktikant in Deutschland wohl. Für ihn ist das Praktikum, das über den Freiwilligenaustausch ICJA e.V. Berlin vermittelt wurde, ein Abenteuer für alle Sinne. Angekommen im Herbst am Winnender Bahnhof kam er aus dem Staunen nicht heraus: „Ich habe mich zwar schon vorher in Büchern und im Internet über Deutschland informiert, trotzdem haben mich die vielen neuen Eindrücke fast umgehauen. Alles anders, alles neu – ob nun die Produkte im Laden, die neuen Gerüche, andere Gepflogenheiten und Regeln. Am Anfang war ich schon unsicher, wie verhält man sich wann und wo hier in Winnenden“. Doch das ist inzwischen Vergangenheit - genauso wie seine ersten Erfahrungen mit dem Fahrrad auf deutschen Straßen: „Zunächst musste ich ziemlich aufpassen, dass ich nicht auf der linken Seite wie in Indien fahre. Einmal wurde ich sogar von der Polizei angehalten, weil ich an einer Fußgängerampel nicht abgestiegen bin. Doch als ich auf Englisch nachgefragt habe, was die Polizisten von mir wollen, haben sie mich schnell weiterfahren lassen“, erzählt Kumar.

Das Einleben wurde Prasanna Kumar v.a. auch von seinen Kollegen in der Paulinenpflege erleichtert. Hausleiter Tobias Janouschek zeigt ihm regelmäßig die schwäbische Kultur und was der Großraum Stuttgart so alles zu bieten hat. Er ist von seinem Praktikanten begeistert: „Dr. Kumar ist für unsere behinderten Bewohner und auch für das gesamte Wohngruppen-Team eine große Bereicherung. Neben dem medizinischen Know-How bringt er ein großes Einfühlungsvermögen und viele frische Ideen mit. Obwohl er noch nicht perfekt deutsch spricht, versteht er unsere Betreuten und sie verstehen ihn!“ Auch Prasanna Kumar sieht keine großen Sprachbarrieren, gerade die gehörlosen Menschen in der Paulinenpflege Winnenden hat er sofort verstanden: „Die hörgeschädigten Bewohner sprechen nur sehr wenig und transportieren ihre Anliegen über die Gebärdensprache oder Gestik und Mimik. Vieles ist bei der Verständigung ohne Worte international, hier gibt es keine Ländergrenzen!“

Neben dem Kennenlernen anderer Kommunikationsformen hat der Arzt aus Südindien eine weitere große Passion: Schokolade! Er bastelt daran, die bestehenden Rezepturen zu verbessern und neue Pralines zu entwickeln. Es bleibt aber nicht bei den kulinarischen Genüssen, er bildet sich auch musikalisch fort. Kollege Tobias Janouschek hat ihm eine Gitarre geliehen und auf der macht er nun erste Zupfversuche.

Bleibt nur noch die Frage offen, warum ein Arzt mit einer guten Anstellung an der Klinik in Bangalor seine Heimat verlässt, um in einem fremden Land ein Jahr lang für ein Taschengeld-Gehalt zu arbeiten? Dr. Kumar antwortet ohne zu überlegen mit leuchtenden Augen: „Durch dieses Praktikum in der Paulinenpflege ist für mich ein Traum wahr geworden – es ist ein wunderbarer Urlaub ohne Zeitverschwendung, denn ich arbeite, bringe meine Fähigkeiten ein, lerne dabei eine andere Kultur noch viel intensiver kennen und treffe dabei neue Freunde. Als Tourist hätte ich vieles so nicht erlebt. Was kann mir also Besseres passieren?!“ Und er setzt noch eins drauf: „Hier in der Paulinenpflege habe ich den Eindruck, dass noch der Mensch im Mittelpunkt steht und dass alle dran arbeiten, dass die Menschen mit Behinderungen die beste Förderung und ein echtes Zuhause haben!“

Mitten im Satz stürmt ein Bewohner der Wohngruppe ins Büro und will noch unbedingt „Gute Nacht!“ zu Prasanna Kumar sagen, klar, dass dies für den Arzt wichtiger ist, als das Gespräch über sein Praktikum in Deutschland!


Benjamin macht Frühaufsteher-Praktikum

Mehrfachbehinderter Paulinenpflege-Schüler sammelt Berufserfahrung bei der Bäckerei Maurer

Trotz des täglichen Frühaufstehens um kurz nach 5 Uhr steht Benjamin fit und begeistert an einer großen Maschine in der Produktionshalle der Bäckerei Maurer in Winnenden-Schelmenholz. Professionell, als habe er sein ganzes Leben nichts anderes gemacht, sorgt er dafür, dass auf die Rosenkuchen eine Schicht Aprikosenmarmelade kommt. Dabei ist der schwerhörige Benjamin erst seit wenigen Tagen als Praktikant in der Bäckerei und ansonsten in erster Linie Schüler der Werkstufe in der Heimsonderschule der Paulinenpflege Winnenden.

In dieser Schule für hörgeschädigte Jugendliche mit zusätzlichen Beeinträchtigungen im Lernen oder der Entwicklung wird Benjamin aus Köln seit gut drei Jahren auf die Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet und auf einen möglichst individuell angepassten Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft hingeführt. Dazu gehören neben dem projektorientierten Unterricht auch Praktika außerhalb der Mauern der Paulinenpflege.

Werkstufen-Abteilungsleiterin Eva Rustemeier und Klassenlehrerin Rosemarie Wehinger freuen sich, dass Benjamins Erprobungspraktikum im Bereich „Konditorei & Snack“ der Bäckerei Maurer bisher so positiv verläuft: „Es ist nicht immer ganz einfach, für unsere mehrfachbehinderten Schüler Firmen zu finden, die geeignete Praktika anbieten. Daher freuen wir uns sehr, dass die Bäckerei Maurer Benjamin unterstützt. Sein Berufswunsch ist nämlich Koch oder Bäcker. Nun kann er den richtigen Arbeitsalltag ausprobieren!“ Auch Benjamins einwöchiger Chef, Konditormeister Walter Kröhn, ist von seinem Schülerpraktikanten angetan: „Benjamin arbeitet zuverlässig und ist von 6 bis 12 Uhr motiviert dabei. Bisher hat er alle Herausforderungen, wie das hohe Tempo und die große Stückzahl an der Maschine, sehr gut gemeistert!“ Für ihn sind Praktikanten wie Benjamin keine Belastung, sondern eine Bereicherung in der Backstube.

Für Benjamin eröffnen sich durch das Praktikum eventuell ganz neue Perspektiven – nur so kann getestet werden, ob er auch außerhalb einer „Werkstatt für behinderte Menschen“ (WfbM) arbeiten kann. Die Werkstufe versucht damit, das gesetzlich verbriefte Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe am „normalen“ Leben soweit wie möglich auch umzusetzen. Dazu Eva Rustemeier: „Das Praktikum von Benjamin zeigt, dass von Schüler zu Schüler ganz individuell überlegt werden muss, wie seine weitere Berufskarriere aussehen kann. Mehrfachbehindert heißt nicht automatisch, dass die Werkstatt für behinderte Menschen das einzig Wahre ist“. Sollte sich Benjamin auch beim nachfolgenden Belastungspraktikum, das dann über mehrere Wochen geht, bewähren, könnte es gut sein, dass er in einem Nischenarbeitsplatz in einem Unternehmen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterkommt. Auch dort würde er weiter unterstützt, dann vom Integrationsfachdienst, allerdings nur soviel wie nötig, denn auch das gehört zu möglichst viel Normalität im Alltag.


Wie es auch immer für Benjamin weitergeht – er ist jetzt schon sehr stolz auf sein Praktikum in der Backstube und weiß, dass sich Frühaufstehen lohnt.

Die Paulinenpflege ist natürlich weiterhin auf der Suche nach Firmen, die in verschiedensten Arbeitsbereichen Praktikumsplätze anbieten. Interessierte Firmen sind bei Eva Rustemeier jederzeit willkommen unter Tel. 07195/695-4420 oder per eMail: eva.rustemeier@paulinenpflege.de


Roboter macht hör- und sprachbehinderte Schüler fit für Ausbildung und Beruf

Landessstiftung Baden-Württemberg fördert Paulinenpflege-Schulprojekt „EDUBOT“

Wenn man die Metallwerkstatt im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Paulinenpflege Winnenden e.V. betritt, ist er nicht zu übersehen: In voller Pracht erstrahlt mitten im Raum ein ganz besonderer Roboter, der einige Zentimeter größer als die Lehrer der Heimsonderschule ist. Sein Name „EDUBOT“, sein Körper: Metall, sein Innenleben: Ein kompletter PC, seine Schöpfer: Hör- und sprachbehinderte Schüler der Paulinenpflege Winnenden.

Die Initialzündung für dieses außergewöhnliche Schülerprojekt war die Ausschreibung der Landesstiftung Baden-Württemberg „X2 – Fit für Ausbildung und Beruf“, bei der innovative Aktionen finanziell unterstützt werden, die das Selbstvertrauen, die Motivation und dadurch die Ausbildungsreife von BVJ-Schülern unterstützen. Schnell waren sich Technischer Lehrer Hartmut Schwald und Theorielehrer Thomas Geiger einig: „Endlich haben wir die Möglichkeit, die von uns selbst entwickelten Lernprogramme im Berufsfeld Metall in ansprechender Form zu präsentieren und mit den Fähigkeiten unserer behinderten Schüler zu repräsentieren. Da machen wir mit unserer Klasse mit!“ Gesagt, getan – es wurde gemeinsam mit acht Schülern ein Zeitplan erstellt, Fachbücher studiert, überlegt, skizziert und konstruiert; danach gesägt, geschnitten, gefeilt, geschweißt und das Grundgerüst des Roboters fertig gestellt.

Die Lehrer staunten nicht schlecht, wie motiviert die Schüler an die im normalen Schulalltag nicht üblichen Aufgaben und Herausforderungen rangingen. Hartmut Schwald begeistert: „Unsere Schüler waren teilweise nicht wieder zu erkennen. Sie haben über ihre Unterrichtszeit hinaus am Roboter gearbeitet, aus innerem Antrieb in ihrer Freizeit nach immer besseren Lösungen gesucht und sind so zu einem echten Team zusammen gewachsen.“ Für Thomas Geiger war auch die Verzahnung zwischen Theorie und Praxis sehr spannend: „Durch dieses Projekt bilden Theorie und Praxis noch mehr als bisher eine Einheit. Was wir im Unterricht z.B. in den Fächern Fachzeichnen oder in Mathe erarbeitet haben, wurde dann sofort in der Praxis am Roboter umgesetzt. Somit haben unsere Schüler mit eigenen Augen den Sinn des oft verschmähten Theorieunterrichts unmittelbar erfahren können“.

Und so ging es nach der Fertigstellung des Außenkörpers des Roboters an die Innereien – ein passender PC musste gefunden und bestellt werden. Auch hier waren die Schüler äußerst engagiert und haben die einzelnen Computer-Komponenten im Internet und Katalogen zusammengesucht, Preise und Rabattkonditionen verglichen und schließlich vom Fachhändler nach ihren Vorstellungen zusammen bauen lassen. Inzwischen ist alles von Kopf bis Fuß installiert und verstaut – der Roboter lebt und die Schüler sind mehr als stolz!

Die Kosten in Höhe von 2500.- Euro wurden von der Landesstiftung Baden-Württemberg vollständig übernommen, da der EDUBOT von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg aus für förderungswürdig befunden wurde – die Voraussetzungen für „X2 – Fit für Ausbildung und Beruf“ waren nach Ansicht der Juroren voll und ganz erfüllt. Dazu BVJ-Abteilungsleiter Hans-Christoph Beutter: „Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Landesstiftung hatten wir die Möglichkeit ein größeres Projekt unter nicht schulüblichen Bedingungen durch zu führen, und so unseren Schülern die Notwendigkeit des Vorhandenseins der von Handwerk und Industrie permanent geforderten Tugenden wie Teamfähigkeit, Fach- und Sachkompetenz anschaulich vermittelt werden konnte.“


Ein riesiger Hundekorb aus der PP für Guildo Horn

Korbflechter Wolfgang Jochum aus den „Backnanger Werkstätten“ war in der preisgekrönten SWR-Talkshow „Guildo und seine Gäste“ dabei

„Guildo hat euch lieb“ ist nicht nur einer der Erfolghits von Sänger Guildo Horn, sondern wohl auch seine Lebenseinstellung. Paulinenpflege-Bewohner Wolfgang Jochum, der in der Korbmacherei der „Backnanger Werkstätten“ arbeitet, hat jedenfalls diese Erfahrung gemacht. Mitte November war er als Gesprächspartner der etwas anderen SWR-Talkshow „Guildo und seine Gäste“ nach Baden-Baden eingeladen worden und hat den „Meister“, Guildo Horn“ zwei Tage lang hautnah erlebt.

„Guildo war super, sehr nett und überhaupt nicht überheblich. Er hat viele Späßchen mit uns gemacht“, schwelgt Wolfgang Jochum mit leuchtenden Augen in seinen noch ganz frischen Fernseh-Erinnerungen. Auch Betreuerin Claudia Hese, die den Talkgast mit in die SWR-Fernsehstudios begleitet hat, ist vom gelernten Diplom-Pädagogen und Musiktherapeuten Horn sehr angetan: „Guildo war sehr angenehm und überhaupt nicht so verrückt, wie er im Fernsehen manchmal rüberkommt. Er ist mit den Menschen mit Behinderungen vorbildlich umgegangen, einfach ein Mensch wie Du und ich, dem man abspürt, dass er schon in der Behindertenarbeit tätig war!“

Angefangen hat für Wolfgang Jochum alles mit einem richtigen Fernseh-Casting diesen Sommer in Stuttgart. Damals wurde die Paulinenpflege Winnenden von der beauftragten Casting-Firma für eine neue Sendung, in der Menschen mit Behinderungen ganz „normale“ Themen diskutieren, angefragt. Eine Woche später waren schon drei Bewohner aus der Paulinenpflege in Stuttgart, nach einem zweiten Casting in Karlsruhe blieb dann Wolfgang Jochum übrig und es war klar: Er wird in einer der ersten Ausgaben der Talkshow mit dabei sein. Anfang November folgte dann die Aufzeichnung der Folge von „Guildo und seine Gäste“, in der Wolfgang Jochum eine wichtige Rolle spielen sollte.

Die Anreise und das Kennenlernen war bereits am Vorabend der Fernsehproduktion. In einem Hotel auf dem SWR-Gelände am Fremersberg konnten sich Guildo und seine Talk-Gäste in lockerer Atmosphäre beschnuppern. Ernst wurde es erst am nächsten Tag: Nach dem Frühstück wurden mit Gastgeber Guildo Horn und weiteren drei Menschen mit Behinderungen die Themen der Sendung besprochen: Vom Vergewaltiger auf dem Gefängnisdach über die aktuellen Ehescheidungen in der Promi-Welt bis hin zu den Weihnachtswünschen der behinderten Menschen war einiges dabei, was den Talkgästen unter den Nägeln brannte. Nach der Maske und einer weiteren kulinarischen Stärkung vor dem Studio ging’s direkt rein ins Scheinwerferlicht und vor die Kameras.

„Zuerst wurden wir einzeln aufgerufen und der Regisseur hat uns gesagt, was wir tun sollen, damit wir im Vorspann gut rüberkommen“, erzählt Wolfgang Jochum, „dann hat sich Guildo Horn mit allen eine Stunde lang unterhalten. Lampenfieber habe ich überhaupt keines gehabt. Irgendwann habe ich sogar vergessen, dass da Kameras rum stehen. Vorher war ich noch ziemlich schüchtern – als das Rotlicht anging, hab ich richtig losgelegt!“

Und so waren die geplanten sechzig Minuten schnell um. Betreuerin Claudia Hese, die Teile der Sendung im Regieraum verfolgen konnte, ist mehr als zufrieden: „Ich war richtig stolz auf Wolfgang. Er hat sich im Gespräch mit Guildo sehr gut geschlagen und Guildo hat ihn richtig gut aus der Reserve gelockt“. Zu sehen war das Ergebnis dann sogar zweimal, denn seit die Sendung den begehrten BG Paralympic Media Award abgeräumt hat, wird „Guildo und seine Gäste“ nicht nur im SWR-Fernsehen, sondern sogar europaweit auf 3sat ausgestrahlt. Für Wolfgang Jochum war das voraussichtlich nicht der letzte Fernsehauftritt, er hat große Chancen, auch in der nächsten Staffel von „Guildo und seine Gäste“ wieder dabei zu sein. „Jederzeit wieder“ beantwortet er die Frage, ob er denn noch mal mitmachen würde. Er grinst und arbeitet weiter an dem riesigen Hundekorb, den Guildo Horn in der Korbmacherei der „Backnanger Werkstätten“ bestellt hat. Übrigens nicht für seinen Hund, sondern für sich selbst – Guildo möchte zukünftig selbst im riesigen Geflecht drin liegen.


An jeder Ecke wuselte es!

Strahlender Sonnenschein, nicht mehr zählbare begeisterte Festbesucher sowie ein Programm und Leckereien, die keine Wünsche offen ließen – das war das Paulinenhof-Fest 2006 am 24.09.06 auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Paulinenpflege Winnenden e.V.

Schon am frühen Sonntagmorgen zeichnete sich ab, dass es beim diesjährigen Hoffest einen neuen Besucherrekord geben würde. Beim Gottesdienst im Grünen, in dem neben den Hofbewohnern auch die Backnanger Schuldekanin Birgit Sendler-Koschel sowie der Posaunenchor Hertmannsweiler und der Gitarrenchor Burgstall mitwirkten, reichten schon kurz vor Beginn weder die bereitgestellten Strohballen noch die zahllosen Bierbänke. Schnell waren weitere organisiert und fast jeder Gottesdienstbesucher konnte die wunderschöne Kulisse am Waldrand und die mit viel Liebe dekorierte „Kanzel“ genießen.

„Werden lassen“, das Motto des Erntedankgottesdienstes war dann auch passend für das gesamte Paulinenhof-Fest, denn der Tag wurde zu einem unvergesslich gesegneten Event. Hofleiter und Fest-Organisator Dietmar Oppenländer sieht sichtlich geschafft, aber überwältigt und glücklich aus: „Es ist unfassbar, dass so viele Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung mit uns gefeiert haben. Obwohl die Parkplätze im Gegensatz zu den Vorjahren verdoppelt wurden, reichten diese nicht aus. Trotz der riesigen Menschenmassen lief alles reibungslos und selbst größere Schlangen an den Ständen wurden dank unseres engagierten Mitarbeiterteams schnell abgearbeitet“.

Unter den vielen Helfern waren nicht nur Mitarbeiter des Paulinenhofs und der Paulinenpflege, sondern auch viele Ehrenamtliche, wie z.B. Ex-Zivildienstleistende oder Angehörige der Paulinenhof- Bewohner. Die Freude der vielen „Schaffer“ sprang schnell auf die Festbesucher über. Tausende genossen die ganz besondere Hof-Atmosphäre, die nicht beschrieben, sondern nur erlebt werden kann. Ein langjähriger Festfan aus Kaisersbach beschreibt das so: „Unglaublich, was sich die Paulinenhöfler Hoffest für Hoffest einfallen lassen und wie viele Mühen sie wochenlang auf sich nehmen. Es gibt kaum eine Ecke auf dem großen Hofgelände, an der es nicht wuselt oder irgendetwas ganz besonderes geboten wird“. Das saustarke Programm hatte wirklich für jede Altersgruppe Überraschungen parat, so kamen Seifenkisten-Fans auf ihre Kosten, Kinder vergnügten sich an der großen Spielstraße oder standen für den Baggerführerschein an, die Mutigen hüpften beim Eurobungee meterhoch über den Paulinenhof und Tierfreunde statteten Wollschwein Emma, den Mutterkühen oder den Gänsen einen Besuch ab. Musik-Fans kamen beim Bühnenprogramm mit der Brenz Band, The Gospel House und der PP-eigenen Band „Laiens-Club“ voll auf ihre Kosten.

Trotz des Trubels gab es rund um den Paulinenhof auch einige Rückzugsmöglichkeiten und Ruhepunkte für Ruhesuchende, hier konnte dann auch erahnt werden, wie der „normale“ Alltag der 21 Menschen mit Behinderungen in der Landwirtschaft aussieht. Dokumentiert wurde dieser Alltag in einer großen Fotoausstellung mit historischen und aktuellen Fotos, auf denen die Hof-Bewohner in allen Lebenssituationen im Mittelpunkt standen. Und genau das ist auch Dietmar Oppenländers Motivation für den festlichen Ausnahmezustand: „Das Hoffest ist nicht nur das Fest der Paulinenpflege, des Paulinenhofs oder von mir und meinem Team, sondern vor allem das Fest unserer behinderten Menschen. Sie freuen sich schon wochenlang auf diesen Event und setzen alles daran, dass möglichst viele Besucher ihre Heimat und ihre Arbeitsplätze kennen lernen können und sich für sie interessieren. Ich glaube, dies ist auch in diesem Jahr mehr als gelungen“. Spricht’s und ist schon wieder auf dem Sprung, um gleichzeitig den Zeltabbau, die Deko-Aufräumarbeiten und die Stallarbeit zu koordinieren.

Der Liedtext, der zur Eröffnung des Hoffests gesungen wurde und inzwischen so etwas wie die Paulinenhof-Hymne ist, bringt auf den Punkt, was die Menschen der etwas anderen Großfamilie in den letzten Wochen erleben durften: „Du hast das Jahr gekrönt mit Deinen Gaben, hast unser Wachsen mit Liebe gelenkt. Du gabst uns das, was wir benötigt haben, Du hast uns wirklich reich beschenkt.“ Eine Erfahrung, die die Paulinenhöfler sicher auch noch lange nach dem Hoffest begleiten wird!


„Sie gehören wirklich zu uns!“

Paulinenpflege beeindruckt beim Diakonietag der Grundschule Oberweissach

Am Mittwoch, 19. Oktober 2005 fand zum ersten Mal an der Grundschule Oberweissach ein Diakonie-Projekttag unter dem Motto „Menschen, die es schwerer haben, gehören zu uns“ statt. Mit dabei auch die Paulinenpflege Winnenden – hier der Bericht von Religionspädagogin und Organisatorin Magdalene Kellermann von der Grundschule Oberweissach:

Den Auftakt des Tages übernahmen Matthias Knödler, der für die Öffentlichkeitsarbeit in der Paulinenpflege Winnenden zuständig ist, zusammen mit der Gebärdensprachdolmetscherin, Sonja Orthwein und der gehörlosen Mitarbeiterin in der Paulinenpflege, Gabi Braig. Sie brachten den Kindern spielerisch die Gebärdensprache nahe und zeigten einen informativen Film über den Paulinenhof bei Winnenden-Hertmannsweiler.

Anschließend konnten die 75 Kinder der Schule ihre zuvor gewählte Einrichtung erkunden. „Eine Schule schwärmt in sieben Richtungen aus“, so fasste es Rektorin Rita Hess-Holder treffend bei der Begrüßung der Kinder und Eltern in der Aula in Worte.

Berührungsängste mit taubblinden und gehörlosen Menschen wurden den Kindern durch den Besuch in der Seniorenwerkstatt der Paulinenpflege in Winnenden genommen. Dort entstand ein wunderschönes Plakat aus Naturmaterialien, das die Kinder mit den Menschen mit Behinderungen gemeinsam herstellten. Auf dem Paulinenhof in Winnenden und in den Backnanger Werkstätten bestaunten die Kinder die Arbeit der Beschäftigten in der Gärtnerei, in der Landwirtschaft sowie beim Körbeflechten und packten gleich mit an.

Im Pflegeheim Alexanderstift in Unterweissach konnten sich die Kinder im Rollstuhlfahren ausprobieren. Einen ersten Kontakt konnten die Kinder mit Behinderten der Lebenshilfe Backnang aufnehmen. Beeindruckt waren die Kinder auch von der Bodelschwinghschule in Murrhardt, in der sie gemeinsam Unterricht mit behinderten Schüler erleben konnten.

Durch die Begegnung mit den Einrichtungen - und vor allen Dingen den Menschen dort - haben die Kinder wertvolle Eindrücke gewonnen. Ein Kind meint am Ende folgendes: „Jetzt kann ich mir endlich vorstellen, was die Menschen, die es schwerer haben, dort machen. Sie gehören wirklich zu uns.“ Rektorin Rita Hess-Holder und die Kinder freuen sich jetzt schon auf eine Wiederholung des Tages im nächsten Jahr.


Benefizkonzert mit 25 schwäbischen Gitarren - Danke für die Lieder!

Der Gottesdienstraum der Paulinenpflege Winnenden hat schon vieles gesehen und gehört – das allerdings noch nicht: Am Samstag, 22. Oktober gastierten um 20 Uhr in der Ecke Paulinen- / Ringstraße im Stadtbereich Winnenden 25 Gitarren, Keyboard, Querflöte, Oboe, Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass. Das etwas andere Benefizkonzert des Gitarrenchor Kaisersbach stand unter dem Motto „Vorsicht Gefälle!“

Aber nicht nur die Instrumentierung war an diesem Abend etwas ganz Besonderes: Der Gitarrenchor Kaisersbach ist nämlich eine bunt gemischte Truppe netter Menschen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren, die im Laufe der Jahre zu einer festen Gemeinschaft zusammengewachsen ist, Freude und Spaß am gemeinsamen Unterwegssein und Musizieren hat, und die trotz aller Unterschiede eines verbindet - der Glaube an einen lebendigen Gott. Die Besucher waren begeistert von dem abwechslungsreichen und kurzweiligen Programm mit der Möglichkeit mitzusingen, oder einfach aufzutanken für den Alltag.

Im Vordergrund standen mehrstimmig gesungene, moderne Lieder mit tiefgehenden Texten, die von der Beziehung Gottes zu uns Menschen erzählen. Damit die Botschaft der Lieder nicht nur akustisch gut verstanden wird, sondern auch die Herzen der Zuhörer erreicht, wurden die Chorsätze und solistischen Einlagen bis auf wenige Ausnahmen in deutscher Sprache und mit viel Gefühl und innerer Überzeugung vorgetragen. Das absolute Highlight war die Zugabe "Danke für die Lieder" aus dem ABBA-Musical "Mamma Mia". Für die Choristen ein großes Dankeschön an Gott, der Ihnen die Freude an der Musik und viele ganz besondere Lieder geschenkt hat. "Danke, Gitarrenchor Kaisersbach!" sagt die Paulinenpflege Winnenden und hofft, dass die 25 schwäbischen Gitarren nicht zum letzten Mal innerhalb der PP gestimmt wurden!


Paulinenhof beim Aktionstag gegen Gen-Lebensmittel dabei

"Tafeln: Für Bio - gegen Gentechnik" auch in Winnenden sehr erfolgreich

"Was - des koschded nix?". Erstaunte Gesichter bei vielen Sonntagsspaziergängern am 11. September in der Winnender Innenstadt. Einen ganzen Tag lang konnten die Winnender Bio- statt Gen-Lebensmittel in ihrer Fußgängerzone probieren. Der Paulinenhof war nämlich bei der bundesweiten Aktion "Tafeln: Für Bio - gegen Gentechnik" am Torturm in der Markstraße Winnenden mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft und der BBW-Gärtnerei vertreten.

Für diese Aktion hat sich der Paulinenhof mit der Bio-Bäckerei Weber und der Naturkostinsel zusammen getan und eine Tafel aus schön gedeckten Tischen aufgestellt. Angeboten wurde Regionales und Saisonales. Die Interessierten ließen sich von Rohkostplatten mit Dips, Holzofen-Bauernbrot mit Bio-Wurst und verschiedenen Backwaren mit Brotaufstrichen verwöhnen. Abgerundet wurde das leckere Angebot mit Fruchtsäften aus heimischen Obstsorten. Übrigens stammte der Blumenschmuck ebenfalls von heimischen Pflanzen, die im September blühen.

Am Ende des etwas anderen Sonntags in Winnenden war klar, dass diese Aktion viele Menschen angesprochen und nachdenklich gemacht hat. Hofleiter Dietmar Oppenländer zieht eine positive Bilanz: "Wir sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. Dadurch dass wir aber nicht nur über Bio-Produkte geredet und für sie Werbung gemacht haben, sondern sie auch kostenlos angeboten haben, konnten wir auch so manchen Skeptiker überzeugen und zum Nachdenken bringen!" Und so wird der Paulinenhof sicher einige der Menschen, die mitgetafelt haben, demnächst als neue Kunden in seinem Hoflädle begrüßen können.


Es bleibt mehr als ein strahlendes Lächeln

Ya-Ying Wu aus Taiwan kehrt nach einem Austauschjahr in die Heimat zurück und hinterlässt in der Paulinenpflege Winnenden viele Spuren

Es war vor einem Jahr eine Reise ins Ungewisse – für Ya-Ying Wu aus Taiwan genauso wie für die Verantwortlichen der Wohnangebote Behindertenhilfe in der Paulinenpflege Winnenden: Im September 2004 warten zwei Mitarbeiter der diakonischen Einrichtung gespannt am Bahnhof Winnenden auf einen ganz besonderen Gast. Bekannt war bis dahin nur, dass die 24jährige Ya-Ying Wu über den weltweiten Freiwilligenaustausch ICJA Berlin für ein Jahr nach Winnenden reisen und dort in der Paulinenpflege arbeiten möchte.

Das hat sich allerdings schnell geändert: Inzwischen ist Ya-Ying Wu bei Bewohnern wie Mitarbeitern der Wohnangebote Behindertenhilfe nicht mehr wegzudenken. Von Anfang an war sie motiviert und voller Tatendrang im Freizeitangebot „Club Paula“ der Paulinenpflege aktiv. „Es ist beeindruckend, wie Ya-Ying frische, neue Ideen in das Club-Paula-Team eingebracht hat. Sie war auch von unseren Menschen mit Behinderungen sofort akzeptiert. Die Verständigung hat trotz anfänglicher leichter Sprachbarriere über die Gebärdensprache bei unseren hör- und sprachbehinderten Bewohnern sehr gut funktioniert“, erzählt die Bereichsgeschäftsführerin der Wohnangebote in der Paulinenpflege Susanne Gebert-Ballmann.

Auch der Club-Paula-Leiter Ulrich Bühner ist begeistert und hat schon mindestens eine Träne im Knopfloch: „Ya-Ying war offen für alles, hat sich auf alles eingelassen und war sehr gut teamfähig. Sie wird uns sehr fehlen!“

Der Abschied Mitte August wird schwer fallen, v.a. auch für Ya-Ying selbst: „Ich habe viele Bewohner hier liebgewonnen. Die Arbeit in der Paulinenpflege hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ein Jahr so schnell vorbei gehen kann“, das sagt sie übrigens in fast perfektem Deutsch, denn Ya-Ying wollte so schnell wie möglich im Großraum Stuttgart verstanden werden. Daher hat sie schon im letzten Jahr zwei Sprachkurse an der Volkshochschule Winnenden belegt. Mit einem Leuchten in den Augen erzählt sie von den Menschen, die ihr besonders ans Herz gewachsen sind: „Ich hatte mit den Bewohnern der Paulinenpflege sehr viel Spaß: Die Art der behinderten Menschen gefällt mir, sie sind oft unkomplizierter und ehrlicher. Für mich ist das hier wie eine große Familie!“ Eingesetzt hat sich Ya-Ying aber nicht nur im „Club Paula“ – in den letzten Wochen war sie öfter hoch über den Dächern des Degenhofs zu sehen: Auf einem Gerüst hat sie zwei riesige Motive aus der Noah-Geschichte an zwei Wände der „Blauen Arche“ gemalt.

Aktiv war Ya-Ying Wu auch außerhalb der Paulinenpflege – so war sie regelmäßig im Jugendkreis der Evang. Kirchegemeinde Hertmannsweiler und hat dort sehr schnell Kontakte geknüpft. „Nach der Kirche bin ich sonntags immer von einer Familie in Hertmannsweiler zum Mittagessen eingeladen worden. Da habe ich dann viele echt schwäbische Geschichten mitbekommen. So habe ich auch sofort ein bisschen schwäbisch gelernt“, sagt es und ist schon wieder mit einem Paulinenpflege-Bewohner beschäftigt, der ins Club-Paula-Büro gesprungen kommt und Ya-Ying freudig begrüßt. „Das ist Lutz, den mag ich besonders, er ist so süß“, strahlt Ya-Ying bis über beide Ohren.

Positiv aufgefallen ist Ya-Ying immer – egal wo sie aufgetaucht ist, steckte sie mit ihrer quirligen freundlichen Art an. Wenn sie Mitte August wieder nach Taiwan zurückkehrt, um an der Universität Taipei weiterhin „Product Design“ zu studieren, jetzt aber mit Spezialisierung auf Sport- und Spielgeräte für Menschen mit Behinderungen, wird in der Paulinenpflege mehr als die Erinnerung an ein strahlendes Lächeln bleiben. PP meets Tawain – ein Begegnungsversuch, der mehr als gelungen ist!


Sinnesbehindert und trotzdem nicht abgeschrieben

Gehörlose und taubblinde Menschen in der Paulinenpflege Winnenden nicht außen vor, sondern mittendrin im Leben

Für die Mehrheit der Menschheit ist es unvorstellbar – für ihn ist es Alltag: Gerhard Kraft kann weder sehen noch hören. Der 73jährige Bewohner der Paulinenpflege Winnenden e.V. ist taubblind! Seit seiner Geburt ist er schon gehörlos, erblindet ist er in den letzten 10 Jahren, da er an der genetisch bedingten Krankheit „Usher-Syndrom“ leidet. Trotzdem versinkt Gerhard Kraft nicht in Selbstmitleid – im Gegenteil: Wer ihm zum ersten Mal begegnet, kann sich nicht vorstellen, dass seine Welt dunkel und still ist. Begeistert begrüßt er jeden, tastet ihn ab und gibt in Gebärdensprache seine Kommentare ab: „Du riechst gut – so ein Parfüm möchte ich auch!“ oder „Du solltest Dich mal wieder rasieren, sonst kommst Du ins Gefängnis“. Sich unterhalten, ist für Gerhard überhaupt kein Problem, denn er kann aus seiner „sehenden Zeit“ noch die Gebärdensprache: Er selbst „spricht“ also in Gebärden und sein Gegenüber antwortet in „taktiler Gebärdensprache“, d.h. der Gast nimmt die Hände des Taubblinden und führt damit die Gebärden aus.

Erstaunlich gut findet Gerhard Kraft sich auch in seinem Alltag zurecht – selbst Sigrid Andrä, sie begleitet, unterstützt und fördert die taubblinden Menschen in der Paulinenpflege, steht manchmal fassungslos da: „Es gibt Momente, da zweifle ich daran, dass Gerhard nichts sieht. Trotz seines Handicaps bekommt er alles mit und steht keineswegs hilflos am Rand“. Egal, ob auf seiner Wohngruppe, in der Seniorenwerkstatt, die er tagsüber besucht oder bei den Einzelförderstunden der Taubblindenarbeit, Gerhard Kraft ist immer vorne mit dabei, will wissen was um ihn rum passiert. Ihm kann niemand ein X für ein U vormachen – wenn er z.B. im Winter eine Postkarte mit einem Osterhasen will, dann lässt er sich keine Weihnachtskarte unterschie-ben. Die Mitarbeiter setzen alle Hebel in Bewegung, um die gewünschte Karte zu organisieren, denn irgendwie würde es Gerhard Kraft merken, wenn auf der Karte nicht sein Wunschmotiv drauf ist.

Probleme macht Gerhard Kraft höchstens mal seine Lauf-Geschwindigkeit – die hat sich nämlich nach seiner Erblindung fast nicht geändert und so gibt’s dann doch die eine oder andere Schramme, wenn Gerhard Kraft ohne Ankündigung und Hilfe los läuft. Klar, dass dann der böse Stein oder der unmögliche Tisch dran schuld sind, wenn Gerhard Kraft irgendwo dagegen läuft. Dank des Mobilitätstrainings der Taubblindenarbeit passiert das allerdings immer seltener. Mit einem Blindenstock bewaffnet, zieht Gerhard Kraft gemeinsam mit Sigrid Andrä los, um die Umgebung per Stock kennen zu erkunden und Orientierungspunkte zu finden, die eine sichere Fortbewegung möglich machen. Obwohl er sich im Stadtbereich-Gelände der Paulinenpflege sehr wohl fühlt und hier auch zu Hause ist, macht er sehr gerne Ausflüge. Seine „zweite Heimat“ ist dabei der Paulinenhof. Mit Haflinger Max ist er dort per Du, außerdem findet er den Trubel klasse, wenn auf dem landwirtschaftlichen Bioland-Betrieb der Paulinenpflege Heißluftballone starten. Gerhard Krafts größter Traum ist nämlich eine Fahrt im Heißluftballon und wehe der fährt dann nicht über das Haus, in dem seine Wohngruppe beheimatet ist. Er findet’s raus – garantiert!

Was für Gerhard Kraft das Lieblingsausflugsziel ist, das ist für Silvio Richter Arbeitsstelle und Wohnort zugleich: Silvio Richter ist ebenfalls sinnesbehindert – gehörlos und sehbehindert – und lebt und arbeitet auf dem Paulinenhof. Wenn man ihm begegnet, stellt man sehr schnell fest, dass er keinesfalls auf dem Abstellgleis steht. Auch Silvio Richter steht mitten im Leben, oft mit Gummistiefeln mitten im Schweinestall des Paulinenhofs. Hier ist er nämlich für die über 50 Ferkel und 10 Muttersauen sowie einen Eber zuständig und mitverantwortlich. Etwa vier Stunden pro Tag ist er mit Füttern, Misten, Einstreuen, Ferkel kontrollieren, etc. beschäftigt.

Seit Herbst 2003 ist der 19jährige Gehörlose auf dem Bauernhof, auf dem insgesamt 21 Menschen mit Behinderungen leben und arbeiten. Hofleiter Dietmar Oppenländer kann sich noch gut an den Vorstellungstermin von Silvio Richter bei ihm erinnern: „Silvio hatte noch ein paar weitere Arbeitsplätze angeschaut – nach Rücksprache mit seinen Eltern hat er sich aber sehr schnell für den Paulinenhof entschieden.“ Diese Entscheidung war wohl goldrichtig, denn Silvio Richter fühlt sich seit dem ersten Tag sehr wohl in seiner neuen Heimat. Zuvor hat er schon am Berufsbildungswerk Leipzig in die Ausbildung zum Gärtner reingeschnuppert, auf dem Paulinenhof gefällt ihm aber die Mischung aus draußen an der frischen Luft und mit Tieren arbeiten.

Über Langeweile kann sich Silvio Richter nicht beklagen – in Gebärdensprache erzählt er von seinen vielfältigen Aufgabengebieten. Neben seinem Einsatz bei den Schweinen, ist er bei der Saatgutbereinigung auf den Feldern mit dabei, er arbeitet gerne in der Werkstatt, in der der Fuhr-park des Hofes gewartet wird und er ist ein Maschinen-Begeisterter. Beim Stichwort „Schlepper-Führerschein“ blitzen seine Augen – genau das hat er sich für die Zukunft vorgenommen: Mit den großen Paulinenhof-Traktoren über die Felder zu fahren. „Das Zeug zum Führerschein-Machen hat Silvio. Da werden wir in nächster Zukunft dranbleiben und versuchen, dass er das schafft“, erzählt Landwirtschaftsmeister Dietmar Oppenländer. Auch sonst steckt noch jede Menge Potential in dem Beschäftigten – so steht auf dem Förderprogramm des Betriebs, dass seine Sinne weiter geschärft werden für Kleinigkeiten, die er ab und zu noch übersieht und er wird zukünftig auch noch mehr Verantwortung übertragen bekommen. So ist er im Büro des Bioland-Hofes, der zu den Backnanger Werkstätten der Paulinenpflege gehört, auch für die Lieferschein-Ablage zuständig.

Bei all der Arbeit kommt für Silvio die Freizeit allerdings nicht zu kurz. Nach Feierabend geht’s in den Wohnheimen des Paulinenhofs rund. Selten ist er allein – meistens sammeln sich in seinem Zimmer die Mitbewohner und dann wird Party gemacht. Besonders gern „duelliert“ er sich mit seinen Kollegen am Gamecube. Verständigungsprobleme zwischen ihm und seinen teilweise hörenden Mitbewohner gibt’s nur selten. Einige haben extra einen Gebärdenkurs besucht und wenn’s trotzdem mal hakt, wird mit Händen, Füßen, Stift und Zettel „geredet“. Für Silvio Richter ist der Paulinenhof mehr als nur eine Wohn- und Arbeitsstätte – für ihn ist der Hof so etwas wie eine Großfamilie. „Während sich andere gehörlose Bewohner bei uns öfter mal zurückziehen, ist Silvio immer vorne mit dabei, wo was passiert. Durch seine sympathisch-schlitzohrige Art bringt er immer wieder neuen Schwung und gute Laune in die Hofgemeinschaft rein“, freut sich Dietmar Oppenländer. Während sein Chef das erzählt, setzt Silvio Richter sein typisches Grinsen auf und damit ist klar: Nach Feierabend steppt nicht nur die Kuh auf dem Paulinenhof!

Bericht: Matthias Knödler, Paulinenpflege Winnenden in "Konsequenzen 2/2005", Diakonisches Werk Württemberg.